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Purpose Talks

Purpose Talks

Um was es hier geht? Um Austausch, Meinung, Inspiration. Um Slow Fashion vor und hinter den Kulissen. Im Bereich nachhaltige Mode tut sich so viel, dass man mindestens vier oder mehr Augen braucht, um die wichtigsten Veränderungen, Strömungen etc. mitzubekommen. Diese vier Augen gehören in diesem Fall Susanne Barta, die als Moderatorin, Coach, Sprecherin, Publizistin in Bozen lebt und im Oktober 2019 beruflich (und privat!) zu einem festen Bestandteil der GREENSTYLE family wurde. Und Mirjam Smend, die im Herbst 2018 die erste GREENSTYLE veranstaltet hat. Die eine lebt in München - die andere in Bozen. Klar, dass hier die eine oder andere Mail hin- und hergeschickt wird…

9. August 2020, San Juan de los Terreros

Liebe Susanne,
Bevor wir mit unseren Konversationen in die Öffentlichkeit gehen, möchte ich mich für Deine Idee bedanken, die von Leandra Medine inspirierten Email-Konversationen für die GREENSTYLE zu übernehmen. Bei uns beiden bietet sich diese Art der Konversation wirklich an, da wir uns nicht nur unglaublich viel zu sagen haben, sondern auch immer an der Meinung der anderen interessiert sind. Außerdem leben wir in verschiedenen Ländern. Auch wenn wir uns inzwischen wieder häufiger zu kreativen Arbeits-Meetings treffen können, sind kurze Emails zum Gedankenaustausch und/oder -anstoß nach wie vor eine wunderbare Form der Kommunikation.

Einfach mal Danke sagen.
An dieser Stelle möchte ich die Gelegenheit nutzen, ein paar Worte über Dich zu schreiben. Viele kennen Dich als Moderatorin unserer Konferenzthemen der 3rd edition sowie der virtuellen Konferenz, die wir dank Deiner Unterstützung ruckzuck nach der ausgefallenen 4th edition Mitte März ins Netz gestellt haben.

Woher wir uns kennen?
Bei der 2nd edition hatten wir noch niemanden, der unsere Moderationen übernommen hat. Viele Themen musste ich selbst übernehmen oder zumindest die Anmoderationen. Immer wenn ich auf der Conference-Bühne stand, ist mir ein Paar in den ersten Reihen aufgefallen, das kein einziges Thema verpasst hat. Am letzten Tag habt Ihr mich angesprochen. Daraus hat sich nicht nur ein berufliche Beziehung entwickelt, sondern eine echte Freundschaft, die uns immer wieder nach Bozen führt und für die ich danken möchte. Du/Ihr seid eine wirkliche Bereicherung.

Sunny regards,
*mirjam

13. August, San Juan de los Terreros

#1 Bottom up or top down: Denim-Patchwork goes Dior

Liebe Susanne,

Aus alter Tradition lese ich gerne die Mode-News auf vogue.de. Auch wenn ich mich seit einigen Jahren mit nachhaltiger Mode beschäftige, habe ich immer noch Interesse an Gucci, Dior & Co. Ganz abgesehen davon, dass es mir hilft, wenn ich Themen in den größeren Kontext einordnen kann. Neulich bin ich über das Thema „Patchwork-Denim in der Dior Cruise Collection“ gestolpert.

Ganz neu ist dieser „Trend" allerdings nicht. Denn Upcycling-Lables wie DZAINO aus Berlin,. Bridge & Tunnel aus Hamburg und XY aus ULM, verwenden schon seit Jahren ausrangierte Denim-Teile, um ihre uniquer teile zu fertigen.
© Dior
Denim Patchwork
© Dior
Denim Patwork
© Dior

Das große Thema der Kollektion ist eine Hommage an die Handwerkskunst, die Maria Grazia Chiuri auf der ganz großen Bühne feiert. Einige Looks sind em Thema Upcycling gewidmet. Ganz schön spannend, dass Dior sich jetzt mit einem Thema beschäftigt, das in der nachhaltigen Mode schon lange etabliert ist. Stichwort: Dzaino, Bridge & Tunnel. Plus: (Patchwork-Denim).

Und deshalb frage ich mich: Haben die großen Modehäuser verstanden, dass unsere Ressourcen begrenzt sind? Dass wir umdenken müssen. Kreisläufe schließen? Hilft es, dass ein Modehaus mit einer so großen Strahlkraft das Thema für den Mainstream greifbar macht? Oder ist das ein klassischer Fall von Greenwashing? Was meinst Du, Susanne?

Die allerbesten Grüße nach Bozen,
*mirjam

Bozen, 16. August 2020

Liebe Mirjam,
deine Fragen beschäftigen mich und vermutlich viele andere sehr. Und die Antworten darauf sind wohl entscheidend ob die Mode-Industrie wirklich nachhaltiger und fairer wird. Ohne die großen Modehäuser wird es nicht gehen. Wie du sagst, sie haben Strahlkraft und diese Strahlkraft lässt sich einsetzen. Dass ab und an mal in einer Kollektion Materialien wie Biobaumwolle oder Tencel oder Appleskin verwendet werden, Up- oder Recycling-Praktiken für einzelne Teile zum Zug kommen oder die Handwerkskunst gefeiert wird, wird nicht reichen. Ohne Veränderung des Geschäftsmodells, das ja bisher auf immer mehr Konsum, mehr Kollektionen etc. setzt, klappt das nicht. Dennoch ist es ein Beginn finde ich. Und was derzeit noch vor allem Greenwashing ist, könnte vielleicht doch in absehbarer Zukunft mehr werden und in Richtung einer ernstgemeinten Veränderung gehen. Die Herausforderungen für die Brands sind jedenfalls riesengroß kann ich mir vorstellen, die Komplexität der Produktionsketten ja oft kaum überblickbar, aber ich glaube, sie haben (fast) alle verstanden, dass es so nicht weitergehen kann.

Giorgio Armani hat bereits angekündigt, sich nur mehr auf zwei Kollektionen pro Jahr beschränken zu wollen. Dass es im High Fashion aber auch anders geht, zeigen etwa Vivienne Westwood, Gabriela Hearst oder Stella McCartney.

Auf die Kreativität, den Style und die Handwerkskunst der großen Häuser verzichten zu müssen, wäre ein großer Verlust. Denn es sind auch heute noch Brands wie Chanel, Gucci, Valentino, you name it, die zumindest stilistisch, immer wieder Großartiges vorlegen. Eine Freundin hat mir gestern gesagt, für sie sei nachhaltige Mode immer noch zu wenig Mode. Wie siehst du das? Hat sich hier schon einiges verändert? Kommt die nachhaltige Fashion bereits wirklich sichtbar aus dem Basic-Bereich heraus? Oder widerspricht sich das vielleicht auch? Mode, Trends und Nachhaltigkeit?

Liebe Grüße,
Susanne

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