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Purpose Talks

Purpose Talks

Aktuell auf der Purpose Agenda: #4 Purpose Looks Bye-bye, Tristesse - hello, #PurposeLooks Challenge. Mit dem Start in den Lockdown light haben wir eine Sustainable Outfit Challenge gestartet und freuen uns über alle, die gemeinsam mit uns mit nachhaltigen Looks gute Vibes in die Insta-Welt schicken

13. August, San Juan de los Terreros

#1 Bottom up or top down: Denim-Patchwork goes Dior

Liebe Susanne,

Aus alter Tradition lese ich gerne die Mode-News auf vogue.de. Auch wenn ich mich seit einigen Jahren mit nachhaltiger Mode beschäftige, habe ich immer noch Interesse an Gucci, Dior & Co. Ganz abgesehen davon, dass es mir hilft, wenn ich Themen in den größeren Kontext einordnen kann. Neulich bin ich über das Thema „Patchwork-Denim in der Dior Cruise Collection“ gestolpert.

Ganz neu ist dieser „Trend" allerdings nicht. Denn Upcycling-Lables wie DZAINO aus Berlin,. Bridge & Tunnel aus Hamburg und XY aus ULM, verwenden schon seit Jahren ausrangierte Denim-Teile, um ihre uniquer teile zu fertigen.
© Dior
Denim Patchwork
© Dior
Denim Patwork
© Dior

Das große Thema der Kollektion ist eine Hommage an die Handwerkskunst, die Maria Grazia Chiuri auf der ganz großen Bühne feiert. Einige Looks sind em Thema Upcycling gewidmet. Ganz schön spannend, dass Dior sich jetzt mit einem Thema beschäftigt, das in der nachhaltigen Mode schon lange etabliert ist. Stichwort: Dzaino, Bridge & Tunnel. Plus: (Patchwork-Denim).

Und deshalb frage ich mich: Haben die großen Modehäuser verstanden, dass unsere Ressourcen begrenzt sind? Dass wir umdenken müssen. Kreisläufe schließen? Hilft es, dass ein Modehaus mit einer so großen Strahlkraft das Thema für den Mainstream greifbar macht? Oder ist das ein klassischer Fall von Greenwashing? Was meinst Du, Susanne?

Die allerbesten Grüße nach Bozen,
*mirjam

Bozen, 16. August 2020

Liebe Mirjam,
deine Fragen beschäftigen mich und vermutlich viele andere sehr. Und die Antworten darauf sind wohl entscheidend ob die Mode-Industrie wirklich nachhaltiger und fairer wird. Ohne die großen Modehäuser wird es nicht gehen. Wie du sagst, sie haben Strahlkraft und diese Strahlkraft lässt sich einsetzen. Dass ab und an mal in einer Kollektion Materialien wie Biobaumwolle oder Tencel oder Appleskin verwendet werden, Up- oder Recycling-Praktiken für einzelne Teile zum Zug kommen oder die Handwerkskunst gefeiert wird, wird nicht reichen. Ohne Veränderung des Geschäftsmodells, das ja bisher auf immer mehr Konsum, mehr Kollektionen etc. setzt, klappt das nicht. Dennoch ist es ein Beginn finde ich. Und was derzeit noch vor allem Greenwashing ist, könnte vielleicht doch in absehbarer Zukunft mehr werden und in Richtung einer ernstgemeinten Veränderung gehen. Die Herausforderungen für die Brands sind jedenfalls riesengroß kann ich mir vorstellen, die Komplexität der Produktionsketten ja oft kaum überblickbar, aber ich glaube, sie haben (fast) alle verstanden, dass es so nicht weitergehen kann.

Giorgio Armani hat bereits angekündigt, sich nur mehr auf zwei Kollektionen pro Jahr beschränken zu wollen. Dass es im High Fashion aber auch anders geht, zeigen etwa Vivienne Westwood, Gabriela Hearst oder Stella McCartney.

Auf die Kreativität, den Style und die Handwerkskunst der großen Häuser verzichten zu müssen, wäre ein großer Verlust. Denn es sind auch heute noch Brands wie Chanel, Gucci, Valentino, you name it, die zumindest stilistisch, immer wieder Großartiges vorlegen. Eine Freundin hat mir gestern gesagt, für sie sei nachhaltige Mode immer noch zu wenig Mode. Wie siehst du das? Hat sich hier schon einiges verändert? Kommt die nachhaltige Fashion bereits wirklich sichtbar aus dem Basic-Bereich heraus? Oder widerspricht sich das vielleicht auch? Mode, Trends und Nachhaltigkeit?

Liebe Grüße,
Susanne

10. Oktober, München

Ist nachhaltige Mode immer noch zu wenig Mode?

Liebe Susanne,

jetzt hat unser neues Format gleich zu Beginn eine längere Pause erfahren. Nicht etwa, weil wir uns nichts zu sagen hätten. Ganz im Gegenteil. Der Grund war eher, dass wir uns gerade weniger schreiben und stattdessen mehr telefonieren (oder sogar „im echten Leben“ sehen), weil so einige Projekte parallel laufen.

Um auf deine Frage zurückzukommen, ob „nachhaltige Mode immer noch zu wenig Mode“ sei. Oder ob sich hier schon einiges verändert hat: Hier hat sich in den letzten zwei, drei Jahren enorm viel verändert. Nicht umsonst konnte es im April 2019 eine Green Issue der deutschen VOGUE geben. Zahlreiche deutsche Designer wie Julia Leifert, Working Title, Lara Krude & Co. designen nachhaltige High Fashion auf allerhöchsten Niveau. Basics gibt es natürlich nach wie vor, was ich für ausgesprochen wichtig halte. Aber auch im Casual Bereich ist nachhaltige Mode viel mutiger geworden. Das war auf den vergangenen zwei Veranstaltungen der NEONYT ganz deutlich zu sehen. Von klassisch bis „trendy“ gibt’s inzwischen die ganze Palette. Perfekte getailorte weiße Hemden (AFORA world), Statement-Bomber (Phyne) und Evening-Jumper (wunderwerk) – es gibt inzwischen jede Menge Slow Fashion Brands bei denen „echte Mode“ Programm ist. Weitere Beispiele gibt’s natürlich hier

Ganz liebe Grüße, 

*mirjam

10. Oktober, München

#2 Endlich: Alt ist das neue Neu.

Liebe Susanne,

Gerade ist der #SecondHandSeptember vorbei und ich freue mich jeden Tag über neue Infos zu dem Thema. Levi’s verkauft seine gebrauchten Stücke jetzt online, COS hat Regel gelauncht, Gucci kooperiert mit The RealReal – es gibt täglich News zum Thema. War auch mehr als überfällig, wenn man sich das Thema Altkleider vs. knapper werdenden Ressourcen mal genauer anschaut. Es muss einfach nicht immer alles neu sein. Wir müssen mit den Ressourcen etwas sparsamer umgehen. 

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© Gucci

Ganz abgesehen von der Tatsache, dass Corona die Altkleidersammler kurz vor den Kollaps gebracht hat, weil alle ausgemistet haben, ist leider zu beobachten, dass die Qualität der gebrauchten Ware über die letzten jähre drastisch gesunken ist.

Umso schöner zu sehen, dass das Image von Second Hand Mode endlich positiv besetzt ist. Online kann man sich bei Anbietern wie rebelle.com und de.vestiairecollective.com (Luxus!) und thrifted.com (Vintage) austoben. On- und (endlich wieder) offline findet man einzigartige Perlen zu Kilopreisen bei Robin Balsers VinoKilo den genauso wie uns die krisenbedingte Veranstaltungsabsage hart getroffen hat, der aber sowas von wieder da ist. Gerade verlädt er Holzcontainer mit gebrauchten Lieblingsstücken, die er per Schiff nach Venedig gebracht hat, um die Italiener mit einem ersten VK-Event zu begeistern. Congrats, Robin!

Keine Stadt mehr ohne mindestens einen tollen Second Hand Store (danke, Susanne, dass Du mich am Montag zu Karin Klammsteiner in ihren Second Hand Store Kleopatra in Bozen entführt hast. 

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Ich LIEBE mein neues Pinstripe-Sakko!). Und weil man irgendwo anfangen muss, starten wir jetzt einfach mal mit einem Second Hand Guide für München (Infos mit Tipps gerne an mich: mirjam.smend@greenstyle-muc.com – wir veröffentlichen auch gerne mit Credit-Nennung).

Sonnige Herbsttaggrüße,

*mirjam

19. Oktober, München

#3 Dein absolutes Lieblingsstück

Liebe Susanne,

Eine Frage, die mir in Interviews immer wieder gestellt wird, ist die nach meinem liebsten Kleidungsstück. Das letzte Mal ist gerade ein paar Tage her – für den Stilguide für Frauen ab 45 (!) von Susanne Ackstaller (ab März 2021 im Knesebeck Verlag).

Die Antwort fällt mir ganz leicht: Mein liebstes Kleidungsstück ist meine blaue Vintage-Bomberjacke von Diesel. Dieses Stück, das meine Töchter wegen der Fischskelette „Fischjacke“ getauft haben, habe ich mir in einem Berliner Vintage Laden in der Nähe vom Wittenbergplatz gekauft. Den hatte mir Cherie Birkner gezeigt (sie hat tolle Vintage Stores bei sich gelistet). Warum ich das Teil so liebe? Sie passt einfach zu allem: Hose, Kleid, casual, elegant, formell, informell – egal. Und ich trage sie fast jeden Tag. Indoor. Outdoor. Zuhause und unterwegs.

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Übrigens: Ich habe mal gelesen, dass Menschen, die häufig das Gleiche tragen, ihre Kleidung wie ein Logo nutzen und als Marke wahrgenommen werden. Das ist nicht der Grund, warum mich die Fischjacke so konsequent begleitet. Eigentlich habe ich nach all den Jahren bei Modemagazinen nicht jeden Tag Lust, mir einen neuen Look „auszudenken“. Ganz abgesehen davon, dass ich die Jacke so gerne mag, geht es mir auch darum zu zeigen, dass man gar nicht so viele Kleidungsstücke braucht, um glücklich zu sein. Man braucht nur die Richtigen (Stichwort #capsulecollection).

Und weil ich genauso neugierig bin wie unsere Leser: Was ist Dein liebstes Kleidungsstück, Susanne?

*m

Bozen, 21. Oktober 2020

Liebe Mirjam,

mein Lieblingsstück? Als du mich danach gefragt hast, musste ich einige Zeit überlegen. Ich habe einige Teile, die ich sehr, sehr gerne trage. Dann oft wieder wegräume, irgendwann wieder herausziehe und wieder trage. Heute, auf der Fahrt mit dem Rad in die Stadt, ist es mir eingefallen: Das Kleidungsstück, das ich nie wegräume, das nie aussortiert wurde, ist mein heißgeliebtes Nadelstreifsakko, das ich vor 17 Jahren in Barcelona kaufte. Damals noch bei Massimo Dutti.

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„Shop your own closet“, das versuche ich mir zu Herzen zu nehmen. Erstens habe ich schöne Sachen, zweitens ist es nicht besonders nachhaltig sich ständig neue, wenn auch nachhaltige Teile, zu kaufen. Und ich muss sagen, die Qualität von damals ist eine andere als heute. Das Sakko schaut immer noch top aus, obwohl ich es in all den Jahren regelmäßig getragen habe. Mal lässig gestylt, mal formeller.

Das Sakko war nicht billig für mich damals. Aber es lohnt sich in Lieblingsstücke zu investieren. Sie werden zu Lebensbegleitern.

Grüße aus Bozen,
Susanne

Bozen, 30. Oktober 2020

#4 Purpose Looks Challenge

Liebe Mirjam,

vor kurzem hat das RKI auch Südtirol auf seine Liste der Reisewarnungen gesetzt. Das heißt – nach der Absage der Biolife und damit der Absage des Pop-ups GREENSTYLE x Biolife – , dass wir bis auf weiteres auch keine gemeinsamen Veranstaltungen machen können und auch unser geplantes mehrtägiges Strategietreffen erst mal nicht stattfinden wird. Das ist bitter. Wir haben alle sehr viel Arbeit in diese kommenden Projekte gesteckt. Nicht alles ist natürlich umsonst. Ich befürchte auch, dass die neuerlichen weltweiten, europäischen, nationalen und lokalen Verschärfungen für nicht wenige kleine Brands kaum mehr zu schultern sind. Um möglichst nachhaltig und fair zu produzieren braucht es schon mal einiges an Kraftanstrengung, in jeder Hinsicht. Da sind die Reserven schnell aufgebraucht. Ich hoffe sehr, dass wir nicht zu viele der kleinen, feinen nachhaltigen Brands verlieren. Jetzt heißt es so gut als möglich weiterzumachen und einander zu unterstützen wo es möglich ist.

Zwei Tage war ich eher gelähmt und auch bedrückt, nun geht’s wieder. Und ich habe begonnen nachhaltige Outfits zusammenzustellen, sie im Badezimmer zu fotografieren und auf Instagram zu posten. For the fun und auch weil immer noch zu wenige Leute davon überzeugt sind, dass nachhaltige und secondhand Mode gut aussehen kann. Über Geschmack lässt sich natürlich streiten. Ich finde den Style-Faktor sehr wichtig, einfach nur was überzuwerfen, weil es nachhaltig ist, reicht nicht. Ich denke, da sind wir uns einig?

Und nun meine Frage: Bist du dabei in der Woche, in der wir den Pop-up aufgebaut und gemacht hätten, jeden Tag ein Outfit zu posten?

Liebe Grüße aus Innsbruck,

Susanne

01. November, München

Liebe Susanne,

leider haben wir tatsächlich inzwischen viel zu viel Übung im Absagen von Veranstaltungen. Aber wir sind auch besser geworden im flexiblen Ändern von Konzepten und -formaten. Deshalb geht es weiter. Und mich spornt dieser Widerstand ehrlichgesagt gerade noch mehr an. Umsonst war die Arbeit definitiv nicht – Karmapunkte haben wir jede Menge gesammelt und Sichtbarkeit bekommen die Brands, die wir nach Bozen mitnehmen wollten ja trotzdem. Sie haben alle ein Brand-Porträt bekommen, das auf Instagram, Facebook und LinkedIn gepostet wird. Wir integrieren sie in unseren Newsletter und bedenken sie bei Kooperationen wie gerade bei der Unisex-Brand Afora.World aus Berlin, deren weißes Shirt wir in unserer GREENSTYLE x Fairnica Kapsel „Pauline“ dabei haben.

Deine Idee, die „Bozen“-Woche zu nutzen, um Outfits auf Instagram zu posten ist eine prima Sache. Neben Aktivismus sind es eben auch die Kollektionen der Brands und die daraus resultierenden Outfits, mit denen wir alle begeistern und zu einem bewussteren handeln, Umdenken etc. bewegen können.

GREENSTYLE Challenge: PURPOSE Talks goes #PurposeLooks

Damit das Ganze noch einen etwas größeren Impact bekommt habe ich unser Format hier als Inspiration genommen und kurzerhand eine kleine Challenge daraus gemacht. Wenn unsere Community mitmacht, können wir mit dem Hashtag #PurposeLooks eine kleine GREENSTYLE Challenge starten, und mit der CommunityPower möglichst viele Menschen erreichen.

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Fair Fashion in Framlingham: Regenjacke by LangerChen, Bomberjacke by Diesel (Vintage), Shirt by Petit Bateau (old), Jeans by Armedangels, Bum Bag by Bridge & Tunnel, Sneakers by nat2footwear/Suffolk

Meine #PurposeLooks? Die stammen diesmal aus der Konserve.

Aus aktuellem Anlass habe ich beschlossen, mich aus der „Konserve“ zu bedienen. Ich habe noch zahlreiche Outfit-Bilder auf meinem Telefon, die ich aus Zeitgründen nie gepostet habe. Zum einen schaffe ich gerade nicht jeden Tag ein neues Foto. Zum anderen gibt es bei uns gerade nicht wirklich einen Anlass. Ab Montag haben wir für den gesamten November einen Lockdown-Light. Die Gastro muss schließen. Alle Veranstaltungen sind abgesagt. Es dürfen sich nur noch zwei Haushalte treffen. Heißt: meine Outfit-Kreativität wird sich im 24/7-Homeoffice in Grenzen halten. Dann doch lieber ein fashionable Rückblick auf das letzte Jahr mit meinen liebsten Kleidungsstücken.

Die #PurposeLooks Hauptakteure werden sein:
Diverse Denims von DAWN, mein alltime favorite Mantel „Eugene“ von LangerChen, meine weißen Sneaker von nat2 footwear, meine Vintage-Bomberjacke von Diesel. Zu sehen auf meinem Blog @mygreenstylecom und unter #PurposeLooks

Ich freue mich auf die Bilder von allen die mitmachen und sende die besten Grüße,

*mirjam

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