Nachhaltiger Mode-Journalismus

Bewusstsein statt Begehrlichkeiten

Mehr Konsum. Mehr Trends. Und immer mehr Saisons. Klassischer Mode-Journalismus ist häufig an ein „immer mehr“ gebunden. Ob verkaufsfördernde Formate wie „Zehn Musthaves der Saison“ oder „Outfits unter 50 oder 100 Euro“ noch zeitgemäß sind und ob nachhaltiger Mode-Journalismus sich positiv auf konventionelle Magazine auswirken kann? Über die Aufgabe von nachhaltigen Mode-Journalismus und einen möglichen Wertewandel haben wir mit Anja Woertge gesprochen.

Wieviel Journalismus steckt tatsächlich im Mode-Journalismus? Müssen wir auf die Selbstverantwortung der Leser setzen? Kann Modejournalismus im Zusammenhang mit Nachhaltigkeit überhaupt funktionieren? Diese Themen beleuchtet Anja Woertge, die an der AMD Akademie Mode & Design in Berlin studiert hat.

Sie kennt beide Seiten, denn sie war als Moderedakteurin für Stylight und Burda Style tätig, bevor sie Fashion Director für das nachhaltige Magazin FOGS wurde. Neben ihrer Freelance-Tätigkeit als Fashion Editor & Stylist für Magazine wie ELLE, Grazia & Co. schreibt sie auf ihrem Blog Mountanista über Bergthemen aller Couleur.

Wir sind ein Stück weit Dienstleister der Industrie. Aber auch Dienstleister der Menschheit.

Journalisten werden häufig als Dienstleister der Industrie bezeichnet. Zurecht. Denn ihr Informationsauftrag bleibt weitestgehend auf der Strecke. Verkaufsfördernder und bildgetriebener Produkt-Journalismus, wie er heute on- und offline weitläufig betrieben wird ist vor dem Hintergrund der Klimakrise nicht mehr zeitgemäß.

10 Musthaves der Saison sollten auch in konventionellen Magazinen zurückgehen.

Als nachhaltiger Mode-Journalist wird man vom Werbetreibenden zum Informierenden. Statt Begehrlichkeiten zu wecken steht beim nachhaltigen Journalismus das Bewusstsein im Vordergrund. Ziel ist ein Umdenken und zu zeigen, dass es statt „mehr“ auch „schöner, besser, haltbarer“ gibt. Zentrale Themen sind die Rückbesinnung auf Werte. Weniger (Massen)Konsum. Mehr Nachhaltigkeit.

Nachhaltiger Mode-Journalismus hat drei Aufgaben

Dem Leser zeigen, was Nachhaltigkeit bedeutet und warum sie Spaß macht.

Kleinen nachhaltigen Labels eine Plattform bieten, damit sie wachsen können.

Der Industrie zu zeigen, warum es sich lohnt in die Nachhaltigkeit zu investieren.

Auch in den konventionellen Modemagazinen wird Nachhaltigkeit immer wichtiger. Um die Zielgruppe zu erweitern. Die tiefergehenden Informationen vermitteln allerdings immer noch die Special Interest Magazine. Sinnvoll wäre eine Verschränkung, ein gegenseitiges Befruchten beider Medien. Im Idealfall führt diese Neuausrichtung der Thematik zu einem Wertewandel im Mode-Journalismus.

Humanitäre Krise durch das Verhalten von Fashion Brands

Brands canceln ihre Order. Zum Teil schon produzierte Ware wird nicht abgenommen. Fabriken müssen schließen, Arbeiter*innen werden entlassen. Die Auswirkungen von Corona auf die Textilindustrie sind enorm. Über die Situation in Indonesien und Bangladesch haben wir mit Marina Chahboune gesprochen, die mit ihrer Agentur „Closed Loop Fashion Consulting“ als Nachhaltigkeitsmanagerin im Textilproduktionsbereich große Unternehmen von Indonesien aus berät.

Der Schwerpunkt von Marinas Arbeit liegt auf Chemikalienmanagement, Sicherheit am Arbeitsplatz, textilem Abfallmanagement und Ablaufoptimierung um Ressourcen einzusparen. Auch Faser- und Materialentwicklung ist ein wichtiges Thema.

„Wir können von einer humanitären Krise sprechen.“

Wie die Situation bei vielen Produktionsbetrieben aussieht, das weiß Marina Chahboune. Sie arbeitet als Nachhaltigkeitsmanagerin, im Textilproduktionsbereich. Die Deutsche lebt in Indonesien und begleitet mit ihrem Team vor allem Betriebe vor Ort. Auch in Bangladesch arbeitet sie viel. Marina kann seit über einem Monat nicht mehr reisen und arbeitet im Home-Office in Bali, ist aber in engem Kontakt mit den Fabriken, mit denen sie zusammenarbeitet.

„Indonesien und Bangladesch sind unterschiedlich schwer betroffen.“

In Indonesien haben sich die Firmen ganz gut gefunden in der neuen Situation. Hier ist die Lieferkette relativ breit aufgestellt, weil vom Rohstoff bis zum fertigen Produkt alle Lieferschritte abgedeckt sind. Man hat Ressourcen im Land und deshalb keine Abhängigkeiten von Importen aus anderen Ländern. Viele Fabriken stellen um auf Schutzbekleidung und Masken.

„Arbeiter stürmen Fabriken in Bangladesch um arbeiten zu können.“

In dem Low-Income-Land Bangladesch hingegen ist die Situation sehr kritisch, weil der Schwerpunkt nur auf dem „Endschritt“, der Garment-Produktion liegt, und damit eine direkte Abhängigkeit von den Modeunternehmen entsteht, die jetzt ihre Orders gecancelt haben bzw. laufende Produktionen stoppen. Die Fabriken bleiben auf ihren Kosten sitzen. Viele Arbeiter sind in Panik. Genauso wie in Kambodscha und Vietnam. Ein Sozialsystem gibt es nicht.

„Es tragisch zu sehen, wie schnell Modeunternehmen auf „Stop“ gegangen sind, obwohl Leistungen vertraglich vereinbart waren.“

Das Konstrukt, das die Textilindustrie aufgebaut hat, ist ungesund und inakzeptabel, sagt Marina. Ein schrittweiser Wandel wäre in den letzten Jahren möglich gewesen, wurde aber nicht eingeleitet. Aber Marina betont, dass es durchaus die Möglichkeit gäbe nun neu zu starten, aber vermutlich nur zu einem sehr hohen Preis.

„Das Konstrukt, das wir über die letzten Jahrzehnte aufgebaut haben ist völlig ungesund.“

Wie können Modeunternehmen einfach ihre Produktionen stoppen, verbindliche Zusagen canceln, fragt sich die Nachhaltigkeitsexpertin.  Statements von Zertifizierern und länderübergreifenden Konventionen gibt es aktuell kaum.

„Das sind alles Rechtsverstöße und Verstöße an der Menschlichkeit.“

Wie es nach Corona aussieht kann noch niemand genau sagen, aber gut sieht es nicht aus. Auch wenn viele in und um die Branche herum jetzt darüber sprechen, dass durchaus die Chance besteht, dass auch die Textilindustrie die eine oder andere Weichenstellung vornehmen wird. Der Preis für einen Systemwandel, den sich die nachhaltige Szene schon so lange wünscht ließe sich momentan nur mit einem viel zu hohen Preis für die Betroffenen in den textilproduzierenden Ländern bezahlen.

Die Zukunft ist ungewiss: Interview mit Marina Chahboune auf franzmagazine

Das Ende der Schnelllebigkeit

Eigentlich hatten wir Salewa-Marketingchef Thomas Aichner zu einer Case Study mit vier Outdoor-Experten auf die 4th edition eingeladen. Aus aktuellem Anlass spricht Moderatorin Susanne Barta jetzt mit dem ehemaligen Profisnowboarder und Tourismusexperten über unternehmerische Verantwortung, Learnings aus der Corona-Krise, den Blick in die Zukunft und das Ende der Schnelllebigkeit.

„Wir werden uns aus der Schnelllebigkeit der Outdoor-Fashion schrittweise verabschieden.“

Bergsportausrüster Salewa hat sehr schnell nach Ausbruch der Corona-Krise Produktionsbetriebe auf die Herstellung von Schutzausrüstung und Atemmasken umgestellt und damit das Sanitätssystem in Südtirol ausgestattet. Inzwischen werden Krankenhäuser in Italien und ganz Europa versorgt.

„Diese Produktion ist für uns kein Geschäftsfeld, sondern eine Möglichkeit unsere Expertise einzusetzen und der Gesellschaft etwas zurückzugeben.“

Salewa-Marketingchef Thomas Aichner hat derzeit alle Hände voll zu tun die Kommunikation der Brand auf die neuen Umstände auszurichten und dabei schon die Weichen für die Zeit danach zu stellen. Im Video-Interview erzählt er uns, welche Schritte Salewa plant und wie nachhaltige Produktion noch mehr zum Thema wird.

Als einziges italienisches Textilunternehmen ist Salewa Lead-Partner der Fair Wear Foundation. Alle Produktionsstätten werden dauerhaft zertifiziert und monitorisert. Denn Salewa möchte nicht nur seine Kunden zufrieden stellen, sondern auch die Mitarbeiter der Lieferanten.

„Statt auf immer mehr setzen wir bei Salewa auf immer besser.“

Neben dem Menschen steht bei der gesamten Oberalp Gruppe das Thema Natur im Mittelpunkt. Hier setzen die Bozener auf Langlebigkeit der Produkte, die Möglichkeit, diese zu reparieren und soweit wie möglich mit recycelten und recycelbaren Materialien zu arbeiten.

„Unser wichtigstes Learning aus der Krise? Langfristiger zu denken.“

Entsprechend spannend und weitsichtig sind die aktuellen Entscheidungen, die Sommerkollektion 2021 zu drei Viertel auszusetzen und stattdessen eine lang geplante Kapselkollektion zu lancieren.

Mehr erfahren über Salewa

Dezentrales Team: Online Coaching

Dezentrales Team

Wildling macht Minimalschuhe. Und zwar mit größtem Erfolg. Unternehmerisch und für die Füße, die sich in diesen Schuhen nicht nur wohlfühlen, sondern, die sich dank der speziellen Beschaffenheit entfalten und erholen können. Ganze 137 Mitarbeiter hat das Unternehmen aus Engelskirchen. Große Büroräume sind dafür nicht nötig, denn Wildling setzt auf ein dezentrales Team. Wie das funktioniert erklärt Wildling-Gründerin Anna Yona in ihrem Online Coaching.

Wildling Gründerin Anna Yona hat ihr Unternehmen schon mit der Gründung auf dezentrale Arbeitsweise ausgerichtet. Inzwischen kann sie auf einen entsprechend großen Erfahrungsschatz zurückgreifen. In ihrem Online Coaching spricht sie darüber, wie dezentrales Arbeiten bei Wildling funktioniert und wie eine kurzfristige Umstellung auf die Arbeit zu Hause möglich gemacht werden kann.

„Wir arbeiten dann jetzt mal von zu Hause aus!” Dass sich das leichter anhört, als es umgesetzt ist, davon können viele, die ihre Teams auf die Arbeit im Home Office umstellen, ein Lied singen.

Wie hält man ein dezentrales Team zusammen? Welche Tools sind hilfreich? Wie organisiert man den Arbeitsalltag zu Hause? Und wie schafft man ein starkes Fundament, um das digitale Setup auch langfristig erfolgreich zu etablieren?

Unser Tipp? Unbedingt ansehen, denn dezentrales Arbeiten wird nicht nur in Zeiten wie diesen immer wichtiger.

Müllgeschichten: WASTELANDS by Simon Puschmann

Simon Puschmann
Simon Puschmann
Simon Puschmann

Als Tobias Sehr, Kurator der Frauenbergateliers in München-Thalkirchen, auf die Arbeit von Simon Puschmann aufmerksam gemacht hat, war klar, dass wir etwas gemeinsam realisieren werden. Die ebenso überraschenden wie zeitgeistigen Müllkunstwerke wollten wir unbedingt in die 4th edition der GREENSTYLE integrieren. Die 4th edition hat nicht stattgefunden (Hier geht es zur Virtual Conference). Die Ausstellung WASTELANDS by Simon Puschmann in den Frauenbergateliers ebenso wenig. Krisenbedingt verschoben.

Während man der deutschen Bevölkerung nachsagt, seit Beginn der Coronakrise Toilettenpapier zu hamstern, bunkert der Franzose Rotwein und Kondome. Der Artikel der Stunde in den USA? Waffen. So die Klischees. Viel tiefgründigere länder- bzw. städtespezifische Unterschiede, zeichnen die kreativen Müllsammlungen von Simon Puschmann.

Simon Puschmann möchte seine Reichweite nutzen, um Awareness für Müll zu schaffen.

Bierdosen, Zigarettenstummel und Kronkorken zählen neben PET-Flaschen und Aludosen zu den klassischen Müllfunden, die uns überall außerhalb der Mülleimer begegnen. Aber auch Sonnenbrillen, Brotzeitdosen, Unterwäsche tauchen in den Werken von Simon Puschmann auf. Denn aus dem, was andere neben die Tonne schmeißen, macht der Hamburger Werbefotograf und Regisseur, wenn er nicht gerade für Adidas, Leica oder Volvo tätig ist, Kunst.

Simon Puschmann
© Simon Puschmann

In 90 Minuten entstehen Stillleben, die internationale Konsummuster dokumentieren.

Seinen Werkstoff sammelt Puschmann in verschiedenen Metropolen von San Francisco bis München. Jeweils 90 Minuten pro Ort. Wieviel Müll man in dieser Zeit zusammentragen kann? Ganz unterschiedlich, sagt der Künstler, der seine zukünftigen Streifzüge auf 60 Minuten reduzieren wird, um sauberen Städten gerecht zu werden. Behalten habe er übrigens noch nie ein Fundstück: „Ich werfe die Sachen danach immer und ausnahmslos weg.“

Am meisten Müll gefunden hat Puschmann in San Franzisco. Am längsten „gepuzzelt“ hat der Künstler mit dem Münchner Müll. Die „sauberste“ Stadt? Malaga.

Welche Stadt steht als nächstes auf seiner Agenda steht? „Leider keine, denn man kann ja derzeit nicht reisen. Die Planung meiner Serie ist rein zufällig. Ich produziere immer dann ein neues Motiv, wenn es mich beruflich oder privat (Urlaub) irgendwo hinbringt. Das steht ja derzeit leider nicht an.“

Portraits der Fundorte, die Konsummuster und -gewohnheiten widerspiegeln. Und in der Summe ein künstlerisches Statement, eine visuelle Kritik einer globalen Krise. Überraschend, wie schön sich Müll arrangieren lässt. Auf den Boden gehört er aber trotzdem nicht.

Infos und Werke zu Simon Puschmann

Programm und Medien auf KulTh.TV

Modern Slavery @ Fashion Industry

Menschenhandel (human trafficking) ist weltweit ein großes Thema. Und ein sehr großes Thema in der Textilindustrie. Leider auch in der nachhaltigen und „fairen“ Textilproduktion. Fiori Zafeiropoulou kann man gut und gerne als eine DER Expertinnen auf diesem Gebiet bezeichnen. Ihr Engagement hört nicht bei Recherchen und Beobachtungen auf, Fiori ist auch Gründerin von SOFFA, einer Social Fashion Factory in Athen.

„The second biggest industry with labour trafficking is fashion.
72 percent are women and girls.
One out of four is a child.
Average age of children in slavery is 12 years old.“

Gemeinsam mit ihrem Team arbeitet sie dort u.a. mit Opfern von Menschenhandel, bildet sie aus und bereitet sie auf eine selbständige Zukunft vor.

„Corona has two sides: The virus has led to the slow down of consumption. But the brands stopped the production without paying the factories. So the workers are not paid.“

Die Wissenschaftlerin und Aktivistin ist weltweit vernetzt und gleichzeitig lokal aktiv. Fiori ist ein Energiebündel, denn zu alledem hat sie auch Fashion Revolution Greece aufgebaut und ist deren Vorsitzende.

„For us as the global consumers the situation is a very good opportunity to reflect on our overconsuming habits.“

Human Trafficking-Expertin Fiori Zafeiropoulou spricht im Interview mit Susanne Barta über „modern slavery“, wie Corona die Produktionsbetriebe und die Arbeiter*innen vor große Schwierigkeiten stellt. Ob sie glaubt, dass die aktuelle Krise positive Auswirkungen auf die Textilindustrie und den Konsumenten haben wird? „Es hat sich viel getan in den letzten Jahren“, sagt die Expertin. Und sie glaubt, dass das Bewusstsein beim Konsumenten weiter wachsen wird.

Zurück zur virtual Conference >>>

Corona, Klima & globales Gemeinwohl

Optimismus und Pessimismus hat sich der renommierte Klimaforscher Georg Kaser abgewöhnt. Er kann nur über Chancen und Möglichkeiten sprechen. Und die wären? „Aus dem, was gerade passiert, können wir viel lernen. Hier geht es um globales Gemeinwohl.“

Georg Kaser verbringt seine Homeoffice-Zeit in Karthaus im Schnalstal in Südtirol. Jeden Tag tauscht er sich aus mit seinen Kollegen, die auf der ganzen Welt verstreut sind.

„Der Klimawandel ist um ein vieles größer und problematischer, als Corona es jemals sein wird.“

Auch wenn das Thema Klimawandel etwas von den medialen Bildschirmen verschwunden ist, wird hinter den Kulissen intensiv gearbeitet, um so schnell wie möglich wieder ins öffentliche Bewusstsein zu bringen, wie es um unsere Welt steht und was wir zu erwarten haben, wenn nicht gegengesteuert wird.

„Die Corona-Krise hat uns rücklings überfallen und war plötzlich da. Die Klimakrise steht für die meisten Menschen noch vor ihnen, obwohl der Klimawandel schon begonnen hat.“

Denn da sind sich die Experten einig: die Herausforderungen der nächsten Jahre werden sehr viel größer sein, Corona ist allerhöchstens ein Vorgeschmack. „Wir können lernen aus dieser Zeit“, sagt Georg Kaser, „ich sehe Möglichkeiten, die sich gerade bieten, sehe aber auch die Komplexität. Es geht um nichts weniger als um globales Gemeinwohl.“

Moderatorin Susanne Barta über Georg Kaser

Susanne Barta, die das Gespräch mit Georg Kaser moderiert, ist mit dem Experten immer wieder in Kontakt. Sein Humor und sein unermüdlicher Einsatz für eine bessere Welt sind das, was ihn in ihren Augen, neben allen wissenschaftlichen Verdiensten, besonders auszeichnet.

Wir freuen uns, Georg Kaser bei einer der nächsten Ausgabe der GREENSTYLE conference live auf dem Podium begrüßen zu dürfen.

Zurück zur virtual Conference >>>

Fair Fashion @ Corona

„Die Situation ist extrem unübersichtlich und gefährlich,“ sagt Thimo Schwenzfeier, Show Director der NEONYT und spricht über Chancen und Risiken für die (Fair)Fashion Branche in (und nach!) Krisenzeiten. Denn die  Branche muss für die Zeit NACH Corona vorbereitet sein und dann – jeder auf seine Art – die bestmögliche Bühne bieten.

Eigentlich hatten wir Thimo Schwenzfeier für die Keynote zum Status Quo der nachhaltigen Mode auf der Conference-Bühne 4th edition vorgesehen. Mit der Corona-Krise hat das Thema nachhaltige Mode eine neue Richtung und eine andere Dynamik bekommen. Deshalb spricht Thimo Schwenzfeier im Video über die Auswirkung der aktuellen Situation auf die Fair Fashion Branche.

„Die Situation ist extrem unübersichtlich und gefährlich. Für die Mode-Branche. Und für die FAIR FASHION Branche.“

Als Show Director der NEONYT/Messe Frankfurt hat er DEN Einblick in die Branche schlechthin. Mit 220 Ausstellern hat die NEONYT im Januar die bisher größte Messe im nachhaltigen Bereich veranstaltet. Die Angst und Verunsicherung über die aktuelle Situation ist bei allen spürbar.

„Hier sitzen alle in einem Boot: Labels von der NEONYT genauso wie von der Innatex oder der Premium.“

Aber nicht nur bei Ausstellern ist die Situation bedenklich, denn die Berlin Fashion Week, die Ende Juni auf der Agenda steht, ist von der aktuellen Situation genauso betroffen. Wird sie stattfinden können? In welchem Umfang und mit welchen Formaten?

„Wir müssen für die Zeit NACH Corona vorbereitet sein und dann die bestmögliche Bühne bieten.“

Fragen, Anregungen etc. an Thimo Schwenzfeier
@thimo.schwenzfeier | @neonyt.berlin | neonyt@messefrankfurt.com

Mirjam Smend über Thimo Schwenzfeier

Als Show Director der weltweit führenden B2B-Messe NEONYT hat Thimo Schwenzfeier einen Einblick in den Handel, wie sonst wenige andere. Klar, dass wir uns an erster Stelle an ihn gewendet haben, als es darum ging, einen Einblick in die aktuelle Situation und einen Ausblick zum Thema „Fair Fashion und Corona“ zu geben.  

Weltwassertag: Mode & Wasser

Mode & Wasser

© Cherie Birkner # sustainablefashionmatterz

Wasser ist der wichtigste Bestandteil unseres Lebens. Diese kostbare Ressource ist leider endlich. In fünf Jahren werden 2,8 Milliarden Menschen in 48 Ländern keinen Zugang zu ausreichenden Mengen an Trinkwasser haben. Darauf macht neben ganzjährigen Kampagnen und Brands wie „Stop the water while using me“ und „Guppy Bag“ der jährliche Weltwassertag am 22.3. aufmerksam. Mode & Wasser ist und bleibt ein Thema für die Zukunft.

Was der Weltwassertag mit Mode/der Textilindustrie zu tun hat? Leider viel. Der Wasserverbrauch und die Auswirkungen der Textilindustrie auf die Umwelt sind enorm. Oder noch direkter: Die Textilindustrie vergiftet Flüsse und Trinkwasser. Besonders starke Belastungen entstehen beim Anbau und der Produktion der Rohfasern sowie die Textilveredlung. Ganze 20 Prozent des industriellen Abwassers werden der Modeindustrie zugeschrieben. Tendenz steigend.

Mode & Wasser: Was jeder Einzelne tun kann?

Repair: Textilien länger im Kreislauf halten

Buy less: auf Fast Fashion verzichten

alternative Konsummodelle entdecken: Mode kann man leihen (Stay awhile, Unown), tauschen (im Freundeskreis oder über Organisationen wie z.B. Green City), in lokalen Second Hand Stores oder online (z.B. VinoKilo) kaufen

Mode & Wasser: Was die Textilindustrie tun kann?

eigenverantwortlich Umweltstandards einhalten/setzen

Qualität statt Quantität

Re- und Upcycling

Mode & Wasser: Our Favorite Campaign
#WATERMATTERZ: EVERY T-SHIRT MAKES A DIFFERENCE

 Sustainable Fashion Matterz Gründerin Cherie Birkner hat auf ihrer Plattform die #WATERMATTERZ Kampagne gestartet, um anhand des Färbeprozesses eines T-Shirts den maximal negativen Impact der Modeindustrie auf die weltweiten Wasserressourcen und deren Qualität plakativ darzustellen und mehr Bewusstsein für dieses Thema zu schaffen.

Kurzes Rechenbeispiel? Der Mensch sollte innerhalb von vier Jahren ca. 3000 Liter Wasser trinken. Das entspricht der Wassermenge, die für die Produktion eines einzigen T-Shirts benötigt wird.

2.700 l Wasser
=
1 neues T-Shirt
=
870 Second Hand T-Shirts

Lust auf wassersparende Mode?

Chloé VD | Seidenblusen und -kleider aus Vintagetüchern
Coa Goa | Taschen und Weekender aus alten Segeln
Dawn Denim | kreative Rettung der B-Ware durch Stickereien
Corvera Vargas | Arbeiten mit Leftovers
Friends that Rhyme | Clutches aus Vintage Obi Gürteln
JOA | Bomberjacken aus Postconsumer waste
Re-born shoes | Schuhe aus Autoreifen, Sonnen- und Liegestuhlbezügen etc.
The Renewery | Second Hand meets Upcycling sold on Instagram

Durch Leasing nachhaltiger und fairer Kleidung reduziert sich der Fashion-Footprint um 75 Prozent.

Stay awhile | Leihen ist das neue Kaufen
Unown | Lieblinsteile ab zwei Wochen

About Cherie Birkner, Founder Sustainable Fashion Matterz

Cherie Birkner ist ehemaliger Creative Director bei einem Fast Fashion Unternehmen, Modell, Fotografin, Aktivistin, Freigeist und Networkerin mit einem klar definierten Ziel: die Modeindustrie positiv zu verändern. Dafür hat Cherie 2017 Sustainable Fashion Matterz gegründet. Ihre Fotos von u.a. Fashion Revolution Days sind aus dem Netz nicht mehr wegzudenken, ihre Plattform vereint Game Changer jeglicher Couleur, listet Events, Brands (international), (Fair Fashion) Hashtags.

Gut zu wissen (Quelle: Greenpeace):

 Mehr als 90 Prozent unserer Kleidung stammt aus Asien.

Über zwei Drittel der Flüsse und Seen in China sind als verschmutzt klassifiziert.

Giftstoffe aus den Fabriken werden oft ungeklärt abgeleitet und können in Trinkwasser und Nahrung nachgewiesen werden.

Diese Schadstoffe schaden der Gesundheit.


Immer häufiger sind diese auch bei Mensch und Tier nachweisbar.

 

GOOD news: Eco ist das neue Cool

In diesem Punkt waren sich alle einig: Besucher, die an 35 Ständen die Kollektionen von internationalen Eco-Brands und unserer Partner entdecken und kaufen konnten. Speaker, die nach München gekommen sind, um unseren Besuchern Insights in diese ebenso zeitgeistige wie wichtige Thematik zu geben. Und die Aussteller, die neue Netzwerke aufgebaut und Zielgruppen akquiriert haben.


© wordsinmotion

Danke an alle GMUCmember!

Neue Location (Hello, Isarforum!), neue (und alte) Brands, Award Gewinner aus Helsinki, top-besetztes XL-Conference-Programm (hier geht es zu den Talks) mit Speakern wie Renate Künast und Dr. Kirsten Brodde (Greenpeace) und der Landeshauptstadt München. Ganz zu schweigen von unseren fantastischen Partnern wie NEONYT/Messe Frankfurt und GMUND Papier – die 2nd edition der GREENSTYLE munich hat das wiedergespiegelt, was sich im nachhaltigen Bereich tut: Fortschritt. Und inzwischen sogar gar nicht mehr so langsam.

Thimo Schwenzfeier (NEONYT) über die GMUC: „Prädikat: Absolut empfehlenswert!“

Das Thema wird nicht nur größer, es professionalisiert sich auch. Auf den tatsächlichen Zeitpunkt des Durchbruchs der nachhaltigen Mode konnten sich die Experten auf der Bühne des 2-tägigen Konferenzprogramms zwar auch nicht einigen. Aber GOOD news: Eine Studie von McKinsey konstatiert die kritische Masse für 2019. Und Thimo Schwenzfeier von NEONYT/Messe Frankfurt sagt der Fast Fashion ein Ende für 2030 voraus. Mit der GREENSTYLE munich fair and conference tragen wir unseren Teil dazu bei.

GREENSTYLE munich second edition – das war neu

Upcycling, recycling – alt ist das neue Neu

Mit ebenso stylischen wie spannenden Upcycling-Projekten wie den farbenfrohen Babouches und den Denim Jackets, die die Tata-Girls aus Wien für ihr Wiener Label Tassel Tales mit marokkanischen Teppichen ein einzigartiges Gesicht geben, sowie den Schmuckstücke von u.a. Misolei, die aus alten Stücken neue schafft und CARORAUE, die aus Flaschenbanderolen und Zeitungsschnipseln in akribischer Feinarbeit die überraschend wenig fragilen Preziosen fertigt, haben wir Vertreter der Kreislaufwirtschaft im Isarforum begrüßt. Auf der Bühne wurde das maximal zeitgeistige Thema im „Circular Fashion“ Panel von Green Fashion Tours Gründerin Arianna Nicoletti (Resident at Victoria & Albert Museum, London) gemeinsam mit Designer Mila Moisio thematisiert. Anfang des Jahres wurde die Finnin für das ausgezeichnete Recycling-Programm ihres Labels TAUKO als „Best sustainable project“ durch den British Council ausgezeichnet.

Neue
CARORAUE © GREENSTYLE munich

Nachhaltige Prägung von Anfang an – AMD Absolventen

Mit der Upcycling-Kollektion aus Frotteehandtüchern von Absolventin Dana Elena Schweika, der nachhaltigen Couture-Kollektion von Katharina Rapp – beide aus dem von Prof. Ulrike Nägele betreuten Fachbereich Modedesign – und der Arbeit „Plastic Fantastic“ von Amelie Roth aus dem Studienbereich Modejournalismus unter der Egide von Studiengangleitung Sabine Resch präsentierte die AMD Akademie Mode & Design München, GMUC Partner zum zweiten Mal, die zeitgemäße Integration der Nachhaltigkeit in ihr Studienprogramm.

Dana Elena Schweiker © Petra Rühle

Ananas, Pilze, Kaffee & Co. – smarte Lederalternativen erobern den Markt

Spannende textile Alternativen hatten u.a. Christina Bussmann von der spanischen Brand Maravillas Bags im Gepäck. Ihre Taschen aus Pinatex (Ananasleder) und mit Holzspänen zeigte sie auch auf der GMUC Bühne im Talk zum Thema „Leder vs. veganes Leder“. Sebastian Thies konnte zwar aus organisatorischen Gründen nicht selber vor Ort sein – seine smarten (veganen!) Sneaker aus Pilzen, Heu, Kaffee & Co. hatten wir aber natürlich trotzdem on display.

Neue
Maravillas Bags © GREENSTYLE munich

Darling Denim kann auch gut

Die Textilindustrie ist Umweltverschmutzer #2 – Umweltsünder #1 innerhalb der Textilindustrie ist unsere geliebte Jeans. Dass es auch anders geht, beweisen Denim Brands wie Dawn Denim mit ihren #lowimpact Jeans, die sie fair in der eigenen Fabrik in Saigon produzieren. Julia Ickert hat ihr maximal feminines Clean-Chic-Label Nina Rein um einen in Europa produzierten Denim Darling erweitert. Und HempAge zeigt, dass es ganz ohne die durstige Bio-Baumwolle geht und produzierte die geliebten blauen Hosen aus Hanf. Apropos Denim: Seine geliebten Jeans konnte (und kann) man bei Sooth Munich reparieren und dann gleichzeitig durch die Munich Sisterhood Kollektion der beiden Münchnerinnen stöbern. „Life may not be fair. Our clothes are.“

Neue
DAWN © Verena Voetter

Bye-bye, Plastic!

Zum zweiten Mal dabei und noch umschwärmter als bei der 1st edition – die nachhaltigen Trink- und Speisegefäße von Thermos Deutschland. Die Isolierflasche „Milchflasche“ war Teil der GMUC GOODbags und ist der aktuellste nachhaltige Neuzugang im Thermos-Imperium.

Neue
Thermos © GREENSTYLE munich

The (R)evolution of Fashion is now

Die 2nd edition stand im Zeichen der Fashion Revolution, die jedes Jahr am 24. April stattfindet: mit einem eigenen Stand, verschiedenen Aktionen und Slots auf der Bühne. Und das #WhoMadeMyClothes Shooting hat gezeigt: München ist bereit.

Neue
Fashion Revolution © Linda Nau

Let’s talk about – GMUC conference

Weil Bewusstsein viel mit Wissen zu tun hat, hatten wir ein hochkarätig besetztes Conference-Programm: Eines unter zahlreichen Highlights war der Opener „Faire Fashion – wo stehen wir?“ moderiert von GMUC Brand Ambassador Franziska Deecke. Ihr Gespräch mit Brigitte von Puttkamer (About Given/A Better Story), Thimo Schwenzfeier (NEONYT/Messe Frankfurt) und Bernd Keller (tRUE STANDARD) hallt noch lange nach.

Ein weiterer Publikumsmagnet war die Talkrunde von Schauspieler Thomas Darchinger, der gemeinsam mit Dr. Kirsten Brodde (Greenpeace), Renate Künast (Bündnis 90/Die Grünen) und Julia Zirpel (thewearness) die Textilindustrie kritisch beleuchtet hat. Alle Programmpunkte wie „Leder vs. veganes Leder“ und den talk „All that data…“ für den Juliane Kahl (The Responsive Fashion Institute) ein internationales Panel zusammengestellt hat, gibt’s hier. Die spannenden Inhalte verpasst? Macht nichts – die Aufzeichnungen von der GREENSTYLE munich conference gibt’s hier

Neue
Faire Fashion – wo stehen wir? © Petra Rühle