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Textilproduktion in Zeiten der Pandemie

Die Pandemie hat die Modeindustrie hart getroffen. Susanne Barta hat im November 2020 anlässlich des GREENSTYLE Pop Ups auf der Biolife Bozen mit Nachhaltigkeitsmanagerin Marina Chahboune über die Auswirkungen der Pandemie auf Produktionsbetriebe in Asien, Glokalisierung und Nachhaltigkeitsbestrebungen gesprochen.

Mit dem ersten Lockdown im Frühjahr 2020 und den Auswirkungen auf die Textilproduktion in Asien sind die Schattenseiten der Modeindustrie sichtbar geworden. Marina Chahboune arbeitet als Gründerin von Closed Loop Fashion Consulting mit Produktionsbetrieben vor Ort in Indonesien und in Bangladesch und gibt einen Einblick aus erster Hand. Wie ist die Situation vor Ort? Sind nachhaltige Prozesse durch die Auswirkungen der Pandemie gestärkt worden? Welche Strategien gibt es für die Zukunft?

Es wird versucht, Kosten für mehr Nachhaltigkeit auf die Produktionsbetriebe abzuwälzen.

Bereits georderte und produzierte Ware wurde seit März 2020 nicht abgenommen. Das hatte gravierende Auswirkungen für die Arbeiter*innen vor Ort. Im November hatte sich die Situation zwar schon ein wenig gebessert. Orders und Ordermenge sind wieder angestiegen. Fabriken in der Textilproduktion liefen allerdings noch nicht auf voller Kapazitätsauslastung.

Glokalisierung ist ein großes Thema, macht aber nicht immer Sinn.

Ob die Auswirkungen von COVID-19 dazu führen, dass Brands ihre Produktion wieder nach Europa zurückholen? Glokalisierung ist heiß diskutiert. Auf der einen Seite möchte man aus der Abhängigkeit globaler Lieferketten rauskommen, da COVID gezeigt hat, wie fragil das System ist. Andererseits macht es bei einigen Produkten Sinn, die Produktion in Asien zu belassen, wo Materialien und Expertise vor Ort sind.

Um die Textilproduktion aus Asien abzuziehen braucht es eine verantwortungsvolle Strategie.

Die meisten Produktionsländer in Asien sind Entwicklungsländer. Sehr schnell wachsende lokale Konsummärkte könnten einiges abfedern, wenn Produktionen im Rahmen der Glokalisierung abgezogen werden. Eine schnelle Umstellung wäre jedoch fatal. Es muss eine verantwortungsvolle Strategie entwickelt werden, damit niemand auf der Strecke bleibt, so Marina Chahboune.

Geringe Preise, längere Zahlungsziele – die Kosten für mehr Nachhaltigkeit sollen auf die Produktionsbetriebe abgewälzt werden.

Die Anforderung an immer höhere Nachhaltigkeitspraktiken, die Brands und Retailern in Punkto Nachhaltigkeit an die Produktionsbetriebe seit Beginn der Pandemie stellen, ist stark gestiegen. Verbunden, mit immer extremeren Forderungen an Fabriken in Bezug auf Zahlungsmodalitäten – geringe Preise, längere Zahlungsziele (z.T. 120 Tage, die die Fabriken in Vorleistung gehen, erzeugen einen massiven Gap in Bezug auf Anforderungen und geleistete Unterstützung, um die Bewegung vorwärts zu bringen deutlich). Nachhaltigkeit wird zwar gefordert, aber den Preis dafür zahlen die Falschen.

Textilproduktion
Marina Chaboune

Aktuelle Situation: Ende Januar 2021

Die Frage, wie sich das mit der zu erwarteten zweiten Welle entwickeln wird, konnte Marina zum Zeitpunkt der Aufzeichnung nicht beantworten. Inzwischen haben wir ihre aktuelle Einschätzung der Situation bekommen:

Anders als in Europa ist in Indonesien nicht Mal der Höhepunkt der ersten Welle erreicht. Am Produktionsvolumen hat sich vor Ort zwar nicht viel geändert seit November, aber die Lage wird stetig angespannter. Steigende Infektions- und Todesraten, immer wieder neue Hotspots, Fabriken müssen geschlossen werden… Wie sich die Schließungen und Lockdowns in Europa auswirken wird man erst in einigen Monaten ablesen können.

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