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Profitgier. Geht´s auch anders?

Profitgier. Geht´s auch anders?

Statt mit immer weniger, immer mehr und immer schneller zu produzieren, sollten wir auf Alternativen wie Gemeinwohlökonomie, Kreislaufwirtschaft, Sharing- und neue Konsummodelle setzen. Möglich wäre das. Wenn wir das wollen. Und wenn wir das tun.

Ein Wort schwirrt mir seit längerem immer wieder im Kopf herum und begegnet mir in den unterschiedlichsten Zusammenhängen. Ob Literatur, TV-Doku, Sachbuch, private Diskussionen oder Social Media. Das Wort oder besser das Konzept „Profitgier“ liegt vielem, was derzeit schiefläuft, zugrunde.

Letzte Woche habe ich auf ORF III die super spannende Dokumentation „Grüne Lügen – Tricks mit Greenwashing“ gesehen über die Zunahme von Nachhaltigkeitsthemen in der Unternehmens- und Marketingkommunikation. Unternehmen möchten mit dabei sein beim Nachhaltigkeitsboom und ihn in den überwiegenden Fällen auch (aus)nützen. Wir sprechen dann eben von Greenwashing. Die Kernaussage der Doku lässt sich so zusammenfassen: Konzerne instrumentalisieren längst den Nachhaltigkeitsboom für sich und täuschen mit eigenen Labels, zum Teil auch fadenscheinigen Siegeln faire und nachhaltige Produkte vor. Süßwarenmarken behaupten da zum Beispiel ihren Kakao aus nachhaltigem Anbau zu beziehen, Nahrungsmittelkonzerne arbeiten mit nachhaltigem Palmöl, Kleidungshersteller preisen eigene Bio-Linien an, die nicht immer einer unabhängigen Kontrolle unterworfen werden.

Profitgier
© Markus Spiske

Der Weg zu mehr Nachhaltigkeit ist komplex und schwierig.

Ohne die Geschäftsmodelle zu verändern wird hier frisch und fröhlich nachhaltig aufpoliertes „business as usual“ gemacht. Wohl gemerkt, es gibt auch Ausnahmen. Zum Glück immer mehr. Und nicht alles, was Schritte auf einem langen Weg zu mehr Nachhaltigkeit sind, ist gleich Greenwashing. Der Weg ist komplex und schwierig. Der Schokoladeproduzent Josef Zotter redet nicht um den Brei herum und stellt sichtlich verärgert fest, dass die Konsumenten zum Teil an der Nase herumgeführt und ihnen etwas vorgegaukelt werde, was nicht der Realität entspreche. Hier wird mit dem immer dringlicher werdenden Wunsch der Konsumenten, ein gutes Gewissen zu haben bzw. mitzukaufen, Geschäft gemacht. Und was steht dahinter? Profitgier.

Daten und Macht sind das aktuelle Thema.

Einige Tage zuvor habe ich mir die Netflix-Doku „Social Dilemma“ angeschaut. Da ist zwar nicht wirklich was drin, was wir eigentlich nicht schon wissen, aber die Eindringlichkeit der Botschaften lässt einen doch immer wieder erschauern. Zu Wort kommen vor allem ehemalige (hochrangige) Mitarbeiter oder Mitgründer der großen digitalen Plattformen. Was ab und an vielleicht aus Idealismus startete, ist längst reinem Profitdenken oder der Profitgier gewichen. Und Macht. Daten und Macht ist sowieso das aktuelle Thema. Mit ständig verbesserter Technologie und feinst ausgefeilten psychologischen Methoden wird da manipuliert, dass einem Hören und Sehen vergeht. Blöd ist nur, dass man in der Zwischenzeit in vielen Bereichen ohne Facebook, Google, Amazon und Co gar nicht mehr agieren kann. Sich so einfach auf Instagram abzumelden ohne Schaden zu leiden oder Amazon als Marketplace zu ignorieren, muss in der Zwischenzeit als Luxus gelten.

Profitgier
© Daria Nepriakhina

Jeder Klick, den wir machen, nützt irgendjemandem, den wir meist nicht kennen.

Beängstigend ist vor allem, was das für junge Leute bedeutet, die nie in einer überwiegend analogen Welt aufgewachsen sind. Realität und Virtualität geraten zum Teil völlig durcheinander. Die laut der Dokumentation nach oben weisende Kurve psychischer Probleme und steigender Selbstmorde unter jungen Menschen spricht eine wenig erfreuliche Sprache. Interessant ist auch, dass nicht wenige Leute, die diese Dinge entwickeln und von ihnen profitieren, ihren eigenen Kindern, strenge Internet und Social Media Regeln auferlegen. Amazon, Facebook und Co sind, so wird es dargestellt, reine Profitmaschinen, getrieben von Gier und Rücksichtslosigkeit. Jeder Klick, den wir machen, nützt irgendjemandem, den wir meist nicht kennen. Die Internet-Welt als großes freundliches Netzwerk, wo wir uns alle verbinden und virtuell treffen, diese Illusion treibt einem die Dokumentation gründlich aus, sollte sie noch jemand gehegt haben. What to do? Ich weiß es nicht. Hier können wohl nur die Gesetzgeber grundlegend etwas verändern.

Zwischen Profit machen und Profitgier ist ein großer Unterschied.

Um hier nicht falsch verstanden zu werden: Zwischen Profit machen und Profitgier sein ist ein großer Unterschied. Mit dem, was man macht, zu verdienen, auch gut zu verdienen, ist hier nicht das Thema. Es geht um die Gier mit immer weniger, immer mehr und immer schneller zu produzieren. Es geht um Egoismus. Und den können wir uns heute eigentlich nicht mehr leisten. Eigentlich schon längst nicht mehr. Dass eine Veränderung unseres Wirtschafts- und Gesellschaftssystems eine hochkomplexe Sache ist und viele Widersprüche in sich trägt, liegt auf der Hand. Aber es gibt nicht wenige Vorschläge, Modelle, Alternativen, wie es anders gehen könnte und auch schon des Öfteren geht. Gemeinwohlökonomie, Kreislaufwirtschaft, Sharing- und neue Konsummodelle (jetzt unsere GREENSTYLE Miet-Kapsel „Pauline“ für Fairnica entdecken), regionale Initiativen, nachhaltige Praktiken, Slow Fashion sind nur einige Stichwörter. Und es gibt viele Menschen, die etwas verändern möchten und es auch tun.

Gemeinwohlökonomie, Kreislaufwirtschaft, Sharing- und neue Konsummodelle zeigen dass es auch anders gehen kann.

Die November-Ausgabe von Brand 1 beschäftigt sich mit der Neuen Konsumgesellschaft unter dem Titel „Handel.t“ Im Hauptartikel dazu wird zunächst festgestellt: „Schon vor Corona war unser Verhalten diskussionswürdig. Wir kaufen zu viel und nutzen oft nicht, was wir gekauft haben.“ Am Ende werden u.a. einige Fragen gestellt: „Welche Gesellschaft wollen wir? Wie befreien wir uns als Gesellschaft aus der scheinbar alternativlosen Wachstumsspirale? Und: Welche Güter wollen wir?“ Und da können wir alle ein Wörtchen oder viele Wörter mitreden. Denn ich bin überzeugt davon: Es geht anders. Wenn wir es wollen und es tun.

Header: © CJ Dayrit

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