Skip to content
Düsseldorf

Let’s talk fashion // Modestandort Düsseldorf.

Neonyt x GREENSTYLE ist kein Geheimnis. Wir sind große Fans dieses Formats. Und wir sind Partner von Anfang an. Die Neonyt macht B2B. Wir machen B2C. Aber unsere Inhalte (nachhaltige Mode), Probleme (aktuelle Markt- und Weltsituation), Visionen (bessere Modeindustrie) sind identisch. Im Interview mit Ulrike Kähler, Managing Direktor Igedo Exhibitions, haben wir über den Modestandort Düsseldorf und Synergien in der Branche gesprochen.

(Nicht nur) Über diese Themen tauschen wir uns mit dem Team der Neonyt Düsseldorf, bzw. Igedo-Geschäftsführerin Ulrike Kähler, immer wieder aus. Und immer wieder stellen wir fest, wie viele Parallelen es für uns gibt. Marken, die sich die Standkosten nicht leisten können, weil die Gesellschaft immer noch lieber konventionell statt nachhaltig kauft. Und weil es für nachhaltige Mode(designer*innen) immer noch keine passenden Fördermodelle gibt. Sparkurs (den Luxussektor ausgenommen) bei den Konsument*innen, die auf die unsicheren Umstände mit schwindender Konsumlaune reagieren. Händler, die nicht einkaufen, weil ihre Lager genau deshalb immer noch voll sind.

Gemeinsam erreichen wir mehr. Kein Gegeneinander. Kein Neid. Stattdessen Support. Denn alle haben die gleichen Ziele: Ihr Business zu retten, weiterzuführen, auf stabile Füße zu stellen oder im Idealfall auszubauen. Den Standort zu stärken. Dem Thema und den damit verbundenen Marken Sichtbarkeit zu geben. Im nachhaltigen Fall auch die Message mitzugeben, dass sich in der Textilindustrie etwas ändern muss. Aber eben auch kann. Wenn man es richtig anstellt.

Kurz: Die Zeiten sind schwierig. Und deshalb müssen wir uns zusammentun.

Ich habe mich mit Ulrike Kähler, Managing Direktor Igedo Exhibitions, die gerade ihre beiden Modemessen Neonyt und Fashion Rooms unter dem Motto „Alle unter einem Dach“ in eine gemeinsame Halle zusammengeführt hat, zu den Themen Modemessen und Modestandort (in ihrem Fall Düsseldorf, in unserem Fall München) unterhalten.

Mirjam Smend: Wenn es um Messemacher geht, landet man unweigerlich irgendwann bei Ulrike Kähler. Seit wann bist du im Business, Ulrike?
Ulrike Kähler: Auch wenn das verrückt klingt: Ich bin seit 40 Jahren im Messegeschäft. Ich habe vor 40 Jahren meine Ausbildung gemacht und bin den Messen treu geblieben. Ich war in verschiedenen Städten, im Ausland und bin in diesem Jahr seit 18 Jahren bei der Igedo.

Mirjam Smend: Was hat sich im Vergleich zu früher geändert?
Ulrike Kähler: Als wir mit unseren Messen begonnen haben, gab es noch Wartelisten. Damals sind noch alle Hersteller auf Messen gegangen. Vor 20 Jahren wurde dann die Showroom Szene geboren. Viele haben sich ganzjährig in diese Präsentationsform zurückgezogen. Messe hat sich verändert. Das war früher Stand aufbauen, hinsetzen, Order schreiben und mit gut gefüllten Auftragsbüchern nach Hause gehen. Heute müssen wir als Veranstalter mehr denn je tief in der Branche sein. Wir müssen die Branche kennen. Und wir müssen ein Event bieten. Mit jeder Dienstleistung zu 150 Prozent. Messen, natürlich nicht nur in der Mode, werden immer mehr zu Eventplattformen und Meeting Points, als dass man nur wegen des Geschäfts dorthin kommt.

Die Neonyt hat mich gereizt, weil ich das Thema Nachhaltigkeit immer schon bei uns intergieren wollte.

Mirjam Smend: Mit den Oderformaten Shoes und den Fashn Rooms hast du ja bereits Modeevents in deinem Portfolio. Warum hast du die Neonyt nach Düsseldorf geholt?
Ulrike Kähler: Die Neonyt hat mich gereizt, weil ich das Thema Nachhaltigkeit immer schon bei uns intergieren wollte. Warum selber etwas aufbauen, wenn es ein Brand (Anmerk.: die Neonyt) auf dem Markt gibt, das noch warm ist. Das durch die ganzen Veränderungen vom großen Erfolg in Berlin, über die gescheiterte Koop mit der Premium Exhibitions in Frankfurt, am Ende wie ein Stiefkind alleine stehen blieb. Deshalb habe ich früh die Gespräche mit der Messe Frankfurt aufgenommen und meine Idee, meinen Wunsch einer Neonyt in Düsseldorf präsentiert. Die Voraussetzungen, das Umfeld ist ideal. Wir haben mit unserer Fashn Rooms eine Modemesse nebenan, die zeitgleich stattfindet. Wir haben Händler, die sich für nachhaltige Mode interessieren könnten, in der Stadt. Ich glaube nach wie vor, dass es wichtig ist, dass es eine Neonyt gibt. Dass der Standort richtig ist, weil wir viel bieten können.

Mirjam Smend: Auch wenn der Name Neonyt der gleiche ist – die Voraussetzungen 2023/2024 in Düsseldorf sind ganz andere als vor der Pandemie, als die Neonyt an ihrem Höhepunkt in Berlin stattgefunden hat. Eigentlich fangt ihr gerade wieder von vorne an…
Ulrike Kähler: Die Zeiten sind in der Tat anders. Aber es geht am Ende des Tages immer darum, dass man die Brands glücklich macht. Dass sie mit uns wachsen können. Das ist ein Prozess, da müssen wir als Veranstalter mit den Brands durch. Und die Brands selber müssen auch mutig sein. Vor allem muss der Handel auch in diesen schwierigen Zeiten mutig sein und sich mit diesen fantastischen Brands auseinandersetzen. Ich glaube nach wie vor daran, dass Düsseldorf der richtige Ort ist, um das ganze abzubilden.

Düsseldorf
Team Neonyt Düsseldorf (von links): Anke Didier, Ulrike Kähler, Noa Ben Moshe, Nicole Blank.

 

Mirjam Smend: Ist Düsseldorf ein spezielles (Mode)Pflaster?
Ulrike Kähler: Düsseldorf hatte schon immer diesen Vibe. Die Familie Kronen (Anmerk.: Mitgründer der Interessengemeinschaft Damenoberbekleidung, der Igedo) hat damals schon Claims wie „Düsseldorf. Modestadt, die alles hat“ und „Fashion is my profashion“ lanciert. Die Wurzel der Mode wurde hier gesetzt. Düsseldorf ist die Modestadt Nr. 1. Düsseldorf ist nicht groß, aber sie hat ein ganz spezielles Charisma. Sie ist sehr gut zu erreichen – Bus, Bahn, Flugzeug. Über zu große Entfernungen in Berlin wurde jahrelang geschimpft. In Düsseldorf ist man schnell vom Hafen über die Kaiserswerther rüber zu uns ins Areal Böhler.

Und wenn man sich für diese Investition entscheidet, muss das Re-invest damit reinkommen.

Mirjam Smend: Was ist in Düsseldorf anders als in München und Berlin?
Ulrike Kähler: Heutzutage schauen alle auf ihre Budgets und klären ganz genau ab, ob sie sich einen Messeauftritt leisten können. Macht er Sinn? Und wenn man sich für diese Investition entscheidet, muss das Re-invest damit reinkommen. Berlin ist sehr kreativ, aber man hat sich damit abgefunden, dass hier das Geschäft nicht gemacht wird. Und das ist in Berlin irgendwann gekippt. Die Modekarawane hat sich immer von Berlin über Düsseldorf nach München bewegt. Wie es jetzt mit Berlin weitergeht, muss man sehen. Düsseldorf und dann der Abschluss in München – das ist eine richtige und gute Mischung. München ist für mich immer sehr präsent und München hat den Süden. Wir profitieren vom Norden und Skandinavien. Dieses Städte-Duo kann gut miteinander funktionieren, ohne dass man sich im Wege steht, wenn man das vernünftig angeht.

Mirjam Smend: Lassen sich hier Synergien zwischen den Städten bilden?
Ulrike Kähler: Man muss immer seine Stärken und Schwächen sehen. Jeder hat seine Homebase und da soll der entsprechende Veranstalter auch seinen Erfolg haben. Es macht heute keinen Sinn mehr, sich in jeder Stadt zu präsentieren. Wir waren ja auch einige Jahre in Berlin. Aber so spielt man immer die dritte, vierte oder fünfte Geige, wenn es gute Player vor Ort gibt. In Düsseldorf sehe ich uns als den Player. Wir haben Fashion. Wir haben Schuhe. Und seit einem Jahr haben wir die Nachhaltigkeit. Zusammen mit den ganzen Showrooms funktioniert Düsseldorf als Modestandort. Und genauso ist das in München. Und wenn man die Events in Düsseldorf und München zwei oder drei Wochen auseinanderzieht, kann der Kunde sagen, ich brauche Düsseldorf, möchte dann aber auch noch München, weil ich auch noch nach Italien muss. So kann das funktionieren und macht für alle Sinn. Was nicht so gut in das ganze Konzept passt, sind die vielen kleinen regionalen Verbundgruppen, die auch „Messen“ machen möchten. Das zerreißt die Branche und verunsichert die Kunden.

Zusammen mit den ganzen Showrooms funktioniert Düsseldorf als Modestandort. Und genauso ist das in München.

Mirjam Smend: Seid Ihr in direktem Austausch mit anderen Veranstaltern?
Ulrike Kähler:
Wir müssen uns immer wieder austauschen. Mit München. Mit Offenbach. Wir sind immer im Gespräch. Ohne funktioniert es nicht. Genauso wenig wie ohne Commitment, Treue und Loyalität.

Mirjam Smend: Gleichzeitig mit der Neonyt finden in Düsseldorf die Fashion Days statt. Es findet die Modemesse Supreme statt. Es entstehen gerade neue Formate – z.B. die SUSTAIN. Gibt es hier Austausch zwischen den Playern? Gemeinsame Ziele für den Modestandort Düsseldorf?
Ulrike Kähler: Mit der Wirtschaftsförderung, die das neue B2C-Format SUSTAIN ins Leben gerufen hat, bin ich sehr eng – alleine aus der Geschäftsführung meines Unternehmens Igedo heraus, sowie auch durch den Vorstand Fashion Net Düsseldorf. Wir sind hier sehr stark im Austausch, weil es bereits dieses Mal mein Wunsch war, B2C in einer ganz limitierten Form bei uns auf die Fläche zu bekommen.

B2C und B2B muss in Düsseldorf verstärkt stattfinden.

Wir haben entsprechende Umfragen gemacht. Die Aussteller der Fashn Rooms sind bezüglich der Integration von B2C eher vorsichtig. Aber der Bereich Neonyt, der im Januar 2024 erstmals in der gleichen Halle stattfinden wird, könnte das vertragen. Jetzt findet die SUSTAIN erstmal im Bilker Bunker in der Stadt statt. Dort werde ich auf einem Panel sitzen und auch die Neonyt supporten.

Mirjam Smend: Was wünschst du dir für (mindestens) das kommende Messejahr?
Ulrike Kähler:
Ich wünsche mir, dass Besucher kommen. Dass sie mutig sind und dass sie das wertschätzen, was wir hier auf die Beine stellen. Und vor allem, dass sie das wertschätzen, was unsere Aussteller, die hier investiert haben, die ihre Ware anbieten, die ihr Können, ihre wunderschönen Kollektionen zeigen leisten.

Ich bitte den Handel auch über die Grenzen hinaus: Seid neugierig und mutig und kommt.

Dass man sich auf den Weg macht und bei uns, bei der Neonyt im Areal Böhler durch die Tür kommt. Das ist der Erfolgsschlüssel, damit wir das weiterführen können, was wir vor drei Saisons angefangen haben.