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Ulrike Kähler. Ein Gespräch mit der Messemacherin

Ulrike Kähler. Ein Gespräch mit der Messemacherin

„Neonyt goes Düsseldorf“ hieß es im September 2022. Meint: Die Messe Frankfurt hat die Lizenz für die B2B-Ordermesse Neonyt an die Igedo Exhibitions nach Düsseldorf verkauft. Vom 28. bis 30.1.2023 wird also die erste Neonyt am Rhein stattfinden. Im Areal Böhler. Parallel zu den Fashn Rooms. Wir haben mit Ulrike Kähler, die als Managing Director für die Neonyt Düsseldorf verantwortlich zeichnet, gesprochen.

Ulrike Kähler ist Managing Director der Igedo Exhibitions. Und eine der ganz wenigen Frauen in dieser Position in (immer noch!) der Männerdomäne Messe. Bis September hat sie die beiden erfolgreichen Orderformate Fashn Rooms und Shoes Düsseldorf verantwortet und weiterentwickelt. Seit September liegt auch die Neonyt am Rhein in ihrem Verantwortungsbereich. Denn die B2B Community-Plattform für Mode, Nachhaltigkeit und Innovation Neonyt, hervorgegangen aus den nachhaltigen B2B-Messen Greenshowroom Berlin und Ethical Fashionshow Berlin, wird ab Januar 2023, ein neues Zuhause in der Modemetropole Düsseldorf erhalten. Als Lizenz der Messe Frankfurt und unter der Egide des Messeveranstalters Igedo Exhibitions. Parallel zu den Fashn Rooms in den traumhaft schönen Industriehallen im Areal Böhler. Damit haben nachhaltige Modemarken und die Slow Fashion Community wieder eine physische Anlaufstelle.

Was das für die Neonyt bedeutet, welche Synergien sich Ulrike Kähler aus dieser Konstellation verspricht und wie der Modestandort Düsseldorf davon profitiert – darüber haben wir mit der Messemacherin aus Düsseldorf gesprochen.

UMSETZUNG der Neonyt in Düsseldorf

Die Neonyt zieht vom Main an den Rhein und wir sind gespannt: Was bleibt und was wird sich am neuen Standort verändern? Diese Fragen interessieren natürlich alle brennend – Aussteller, Händler, Community… uns.

Mirjam Smend: Wie können wir uns die Umsetzung vor Ort vorstellen? Wie sind die beiden Messen – die Neonyt wird ja parallel zu den Fashn Rooms stattfinden – miteinander verbunden? Wie grenzen sie sich voneinander ab?
Ulrike Kähler: Neonyt und Fashn Rooms entspringen konzeptionell den gleichen Quellen: der Liebe zur Mode und dem direkten Kontakt von Hersteller, Label und Handel. Die gemeinsame Realisierung am Innovationsstandort Areal Böhler in der Landeshauptstadt und Fairtrade-Town Düsseldorf bietet kurze Wege für Inspiration, Austausch und Order. Die Frage ist also weniger, wie sich die Konzepte voneinander abgrenzen, sondern welche Vorteile es bietet, beide unter einem Dach zu realisieren.

Mirjam: Und welche Vorteile wären das?
Ulrike: Unser Ziel ist es, einen für alle Seiten fruchtbaren Boden zu bieten und eine Win-Win-Win-Situation zu schaffen. Die nachhaltige und innovative Community Neonyt hat die Chance ihren Mehrwert breiter in den kommerziellen Markt zu streuen. Besuchern und Ausstellern der Fashn Rooms bietet sich die Möglichkeit geballten, professionell notwendigen Input und authentische Aufklärung über das Thema Nachhaltigkeit zu bekommen. Die Brücke bildet dabei unser Konferenzformat „The Stage“ sowie unsere neue „Knowledge Area“, die relevante Aspekte nachhaltigen Lebens thematisiert – auch abseits der Mode.

Die Brücke zwischen den beiden Formaten bilden das Konferenzformat „The Stage“ die Knowledge Area.

Mirjam: Wie sehen die Pläne für die optische Umsetzung der Neonyt auf der Fläche aus?
Ulrike: Mit der Kaltstahlhalle auf dem Areal Böhler haben wir die perfekte Location für die Neonyt: industrieller Vintage-Charme, stylish ins Jetzt geholt. Auf der Fläche arbeiten wir mit einem eigenentwickelten Standsystem. Inspiriert von den bekannten weißen Pylonen der Neonyt, um einen Wiedererkennungswert zu erzeugen, aber modern interpretiert und beleuchtet.

Mirjam: Die Neonyt besteht traditionell aus drei Bereichen – der Orderplattform mit den Brands, der Konferenz Fashionsustain und der Community-Area Prepeek. Welche Rolle spielt das Konferenzformat Fashionsustain in Düsseldorf?
Ulrike: Die Fashionsustain ist eine Bühne für das Zusammenspiel aus Kollaboration und Wettbewerb – wichtige Bausteine für innovative, nachhaltige Technologien, die der gesamten Industrie nachhaltige Geschäftsmodelle sowie neue und alte Märkte aufzeigen – unglaublich relevant und wichtig. Um dieser zentralen Rolle als Ideen-Meltingpot gerecht zu werden ist Fashionsustain fester Bestandteil unseres Konferenzprogramms „The Stage“ im Pumpenraum der „Alten Schmiedehalle“.

Am Nachmittag des 28. Januar eröffnen die Fashionsustain Talks mit lokalen und regionalen Nachhaltigkeitsakteur*innen. Der Vormittag des 29. Januar steht vor allem unter der Fragestellung, wie Handel und nachhaltige Labels und Hersteller besser zueinander finden und auch das Personal am Point-of-Sale noch besser zu Themen der Nachhaltigkeit geschult werden kann. Der Vormittag des 30. Januar setzt den Fokus u.a. auf das Thema Lieferkettentransparenz und Nachhaltigkeit in Verbindung mit Design.

„The Stage“ der zentrale Ort für weitere Panel Talks, Diskussionsrunden und Präsentationen, um immer wieder neue Impulse zu geben und Zukunftsszenarien zu antizipieren.

Mirjam: Und worauf können wir uns beim Community-Format Prepeek einstellen?
Ulrike: Die Idee und die Entwicklungen der nachhaltigen Mode sind entscheidend in der heutigen Zeit, nicht nur im Rahmen der Neonyt in Düsseldorf, sondern auch international. Ganz nach unserem Motto „Lokal, international.“ ist die Prepeek unser Fenster zur Welt: ein exklusives, dreitägiges Event für Content Creators, Blogger*innen, Journalist*innen und Multiplikator*innen. Sie möchten wir mit der Prepeek unterstützen, grünen Zeitgeist sichtbar zu machen und frische Sustainability-Impulse zu verbreiten.

Unser Ziel ist Empowerment & Support auf zwei Floors:

Auf dem Expression Floor können die Creators zukünftige Kollektionen nachhaltiger Labels entdecken und für ein kostenloses, professionelles Fotoshooting in verschiedenen Sceneries auswählen. Für Styling, Make-up und Shooting steht ihnen dabei unser Team von Professionals zur Seite, sodass sofort perfekter Content geteilt werden kann.

Der Experience Floor macht die Neonyt-Community erlebbar: Panel & Community Talks zu speziell für Creators relevanten Themen, Workstations zum Mitmachen, Meet-Ups zum Netzwerken in einer exklusiven, aber entspannt zwanglosen Atmosphäre.

Als kleines Highlight werden wir die Prepeek zu zwei ausgewählten Events für alle Aussteller*innen und Besucher*innen zugänglich machen. Ohne Profi-Fotoshootings, dafür mit Themen von allgemeinem Interesse auf der Bühne und einem loungigen Get together von Handel, Label und Content Creators.

Mirjam: Mit dem Areal Böhler habt ihr eine fantastische Location für die Igedo Formate und jetzt auch die Neonyt gefunden. Was zeichnet dieses Gelände aus?
Ulrike: Das Areal Böhler bietet alles, was Ausstellenden und Besucher*innen den Aufenthalt so effizient und bequem wie möglich macht: kurze Wege, besten Service und vielfältiges Catering in einer einmaligen Szenerie. Alleine der bei der Umgestaltung konservierte industrielle Charme des ehemaligen, denkmalgeschützten Stahlwerks mit 100jähriger Geschichte bietet hochflexible und effiziente Flächen mit unglaublichem Flair.

Mirjam: Du hast gesagt, dass man ‚zum Areal Böhler über eine Brücke fahren muss, was für einige schon zu umständlich ist‘. Was meinst du damit und wie bekommt ihr euer Publikum trotzdem dort hin?
Ulrike: An der Stadtgrenze von Düsseldorf und Meerbusch gelegen, ist die Anbindung ideal. In zehn Minuten ist man per Auto oder Bahn am Hauptbahnhof, der KÖ, in der Altstadt oder im Medienhafen. Die Pulsadern NRWs, A52 und A57 sind nur 5 Minuten vom Areal Böhler gelegen.

Sowohl die Messe Frankfurt als auch die Igedo Exhibitions wollen der Neonyt mit viel Herzblut einen grandiosen Start in der neuen Heimat Düsseldorf verschaffen.

Mirjam: Die Messe Frankfurt ist Lizenzgeberin der Neonyt. Wie können wir uns die Zusammenarbeit vorstellen?
Ulrike: Sowohl die Messe Frankfurt als auch die Igedo Exhibitions wollen der Neonyt mit viel Herzblut einen grandiosen Start in der neuen Heimat Düsseldorf verschaffen. Auf dem Weg dorthin war gerade bei den ersten Schritten der Support des Frankfurter Teams für uns Gold wert: Wir konnten auf Learnings und Best Practices der bisherigen Veranstaltungen, wichtigen Input und konstruktive Kontakte zurückgreifen und hatten in allen Fragen einen zuverlässigen Ansprechpartner – sehr partnerschaftlich!

Ulrike Kähler

ZULASSUNGSKRITERIEN / NACHHALTIGKEIT

Die Zulassungskriterien für Neonyt-Bewerber sind sehr streng und machen diese Messe zu einer trusted Veranstaltung. ‚Neonyt approved‘ ist eine Garantie für optische UND inhaltliche Kuratierung. Denn 70 Prozent der geforderten, strengen Kriterien müssen erfüllt werden. Jede Saison aufs Neue.

Mirjam: Wie wird das mit dem Kriterienkatalog in Zukunft bei der Neonyt gehandhabt?
Ulrike: Das unbedingte Bekenntnis zur Nachhaltigkeit ist einer der zentralen Werte der Neonyt, den wir auch in Düsseldorf weiter pflegen werden: Jeder unserer Aussteller durchläuft nicht nur einen modischen Kuratierungsprozess, sondern selbstverständlich auch einen Check hinsichtlich seiner Sustainability. Die Kriterien hierbei sind genauso streng und geradlinig wie bisher.

Mirjam: Mit Lavinia Muth konnte die Igedo Exhibitions eine namhafte Expertin für sich gewinnen. Welche Rolle wird die ehemalige Nachhaltigkeitsbeauftrage von Armedangels bei der Neonyt spielen?
Ulrike: Mit Lavinia haben wir eine absolute Expertin in der Welt der ethisch orientierten Wirtschaft an Bord. Mit mehr als 10 jähriger Erfahrung im Bekleidungs- und Schuhsektor auditiert sie die Aussteller auf die Erfüllung der notwendigen Nachhaltigkeitsstandards ihrer Labels. Wir freuen uns sehr, dass sich Händler, Aussteller und natürlich auch wir uns auf diese außergewöhnliche Expertise verlassen können.

Mit Lavinia haben wir eine absolute Expertin in der Welt der ethisch orientierten Wirtschaft an Bord.

Mirjam: Das Thema Nachhaltigkeit haben inzwischen viele Veranstalter für sich entdeckt und springen auf den Zug auf, den die Neonyt, bzw. die Vorgängerveranstaltungen wie der Greenshowroom, aktiv vorangetrieben haben. Wie grenzt sich die Neonyt von ihren Mitbewerbern ab?
Ulrike: Die Neonyt ist eine der Keimzellen des Green Fashion Movements. Schon alleine diese Tatsache hebt sie von anderen Formaten ab. Sich aber alleine darauf zu beziehen und Bestehendes zu konservieren ist nicht unsere Aufgabe. Mit der Lizenzierung der Neonyt haben wir die Verantwortung übernommen, in Düsseldorf neue Ideen zu realisieren und zur Weiterentwicklung des Formates beizutragen. Dazu gehört in erster Linie die Stärkung der Position nachhaltiger Mode auf dem kommerziellen Markt aber auch das Verständnis der Messe als Event für Vernetzung, Wissenstransfer und Impulsgeber für Innovationen.

Mirjam: Mit der Neonyt Lizenz habt ihr das Igedo Portfolio um nachhaltige Mode erweitert. Nachhaltigkeit war aber spätestens seit der Implementierung des ‚Green Room‘ in das konventionelle Fashn Room-Format vor zwei Saisons ein Thema. Was hat euch daran gehindert, die Nachhaltigkeit in den bestehenden Formaten weiter auszubauen?
Ulrike: Um ehrlich zu sein: Nichts hat uns am Ausbau der bestehenden Formate gehindert. Wir verstehen die Neonyt als logische Fortführung und Weiterentwicklung der Schritte, die wir in der Vergangenheit mit dem „Green Room“ gegangen sind.

Mirjam: Wie kann man sich die Zusammenarbeit der beiden parallel stattfindenden Messen vorstellen? Wird es Brands geben, die von Fashn Rooms zur Neonyt „übersiedeln“?
Ulrike: Die Standards für eine Teilnahme an der Neonyt sind bekanntermaßen sehr hoch und werden von uns streng geprüft. Ein direktes Übersiedeln ist also für die konventionellen Labels der Fashn Rooms schwer und nur durch eine entsprechende Anpassung der Produktionsprozesse, Lieferketten und Philosophie möglich. Es freut uns sehr, wenn immer mehr Produzent*innen den Nachhaltigkeitsgedanken höher priorisieren, verstehen aber auch die damit verbundenen Herausforderungen. Um bei dieser Transformation zu unterstützen, haben wir immer ein offenes Ohr, geben Tipps und finden individuelle Lösungen.

Es wird Brands geben, die sowohl bei Fashn Rooms mit ihren konventionellen Kollektionen, als auch mit ihren zertifiziert nachhaltigen Linien auf der Fläche der Neonyt vertreten sein werden.

Neonyt Comeback

ZUKUNFTSVISIONEN

Die Neonyt ist die B2B-Community-Plattform für Mode, Nachhaltigkeit und Innovation und Synonym für den Transformationsprozess der Textil- und Modebranche. Aber der Neonyt fehlt seit der letzten B2B-Veranstaltung in Berlin Tempelhof die Kontinuität. Und die Mitbewerber schlafen nicht. Die Messelandschaft befindet sich in einer Transformation. Die Pandemie hat uns allen einen Strich durch die Rechnung gemacht. Themen, die als gesetzt galten wurden neu gewürfelt. Neue – zumindest für den ein oder anderen – Themen aufs Tableau gebracht.

Mirjam: Was muss die Neonyt anders/richtig machen, um am Markt bestehen zu bleiben?
Ulrike: Für das Bestehen am Markt gibt es keine Zauberformel, die man Schritt für Schritt abarbeiten kann. Neben unserem Plan für die Zukunft der Neonyt wird es immer wieder neue kleine und auch große Herausforderungen geben, denen man sich mit offenem Visier stellen muss. Unsere Erfahrung aus 73 Jahren als Messeveranstalter im Fashion Sektor zeigt, dass dabei drei Eigenschaften extrem hilfreich sind: Flexibilität, Authentizität und Hartnäckigkeit.

Alle drei dieser Talente sind in unserem Team der Igedo Exhibitions glücklicherweise sehr gut vertreten, sodass ich von einer positiven Evolution der Neonyt überzeugt bin. 

Mirjam: Durch die lange Veranstaltungspause und die Orts- bzw. Formatwechsel ist/war die Branche/die Community – in den sowieso instabilen Zeiten – ein bisschen verunsichert. Wie wird das Vertrauen wieder aufgebaut?
Ulrike: Von einer gewissen Verunsicherung, egal ob ausgelöst durch Pandemie, (Welt-)Politik oder wirtschaftliche Entwicklungen, kann sich aktuell leider wahrscheinlich niemand frei machen. Um gut durch diese bewegten Zeiten zu kommen, helfen professionelle, zuverlässige und auch emphatische Partner mit realistischen Visionen. Als dieser Partner werden wir uns mit unseren Veranstaltungen beweisen, mit bereichernden, inspirierenden und authentischen Erlebnissen für Aussteller*innen, für Besucher*innen und für alle anderen Mitwirkenden.

Mirjam: Welche Ziele habt ihr euch für die Neonyt gesteckt?
Ulrike: Unser Fokus liegt im Januar auf der Inszenierung einer Premiere die der Branche, den Austeller*innen, der Community und damit uns allen viel Lust auf mehr macht.

MODESTANDORT DÜSSELDORF

Die Igedo Company bzw. seit 2022 Igedo Exhibitions, hat mit ihren kontinuierlich stattfindenden Gallery Formaten und den daraus resultierenden Ordermessen Fashn Rooms und Shoes den Modestandort Düsseldorf aus seinem Dornröschenschlaf geholt und wieder in den Fokus internationaler Einkäufer gerückt.

Mirjam: München war Modestadt. Berlin wurde Modestadt und Frankfurt wollte Modestadt sein. Düsseldorf ist und bleibt Modestadt. Wie siehst du die Modezukunft der Rheinmetropole im (inter)nationalen Kontext? Welche Rolle spielt die Neonyt Düsseldorf für den Orderstandort?
Ulrike: „Lokal, International“ lautet das Leitthema der kommenden Neonyt in Düsseldorf, einer Stadt, die aus einem wirklich starken Erbe in den Bereichen Mode-, Kunst- und Design schöpfen kann: Beuys, Richter, Kraftwerk – Ideen mit weltweitem Nachhall haben in Düsseldorf Tradition. Auch im Bereich der Nachhaltigkeit ist Düsseldorf schon lange aktiv und trägt schon seit 2007 den Titel „Hauptstadt des fairen Handels“, seit 2011 ist sie „Fairtrade-Town“. Mit der Neonyt setzt Düsseldorf diesen Weg fort und kommt auf die internationale Karte der sustainable & responsible Fashion – zu einem Zeitpunkt, an dem die Notwendigkeit eines Umdenkens allgegenwärtig ist. Als globales Handels- und Medienzentrum bietet sich Düsseldorf so die Möglichkeit, Position zu beziehen und als „Early Adopter“ auch in diesem Segment Innovation und Relevanz wegweisend auszuspielen.

Change. Der Neonyt-Beitrag.

Die Neonyt hat sich Veränderung zur Aufgabe gemacht. Als Managing Director ist Ulrike Kähler für verschiedene Formate zuständig, die beide Seiten der Mode – konventionell und nachhaltig – abbilden.

Mirjam: Wo siehst du das größte Problem in der Modebranche?
Ulrike: In meinen Augen gibt es das eine, größte „Problem“ nicht. Genauso wenig wie die eine „Modebranche“. Völlig branchen- und länderübergreifend (aber damit auch für die Fashion-Industrie relevant) gibt es ein neues zentrales Thema, das zur Zäsur aufruft: Unternehmen sind mit einer zunehmenden Awareness ihrer Kund*innen konfrontiert, die ihr Kaufverhalten immer mehr am eigenen moralischen Kompass orientieren. Brands, die den Ansprüchen nicht genügen oder sich mit fragwürdigen Praktiken ins Aus manövrieren, werden es dank globaler Vernetzung und Informationsverteilung schwer haben.

Transparenz, Fairness und Glaubwürdigkeit – Werte, die in der Vergangenheit in viel zu wenigen Brand-DNAs eine Rolle spielten, werden zur harten Währung.

So wird es in der näheren Zukunft an vielen Stellen nötig sein, die Dinge genau zu beobachten, zu bewerten und letztlich neu zu denken. Um weiterhin erfolgreich zu sein, wird ein Wandel zahlreicher Unternehmenskulturen zum „Guten“ hin unerlässlich werden. Diesen Prozess halte ich – auch für die Modebranche – für eine der großen Herausforderungen der Zukunft und darüber hinaus auch unbedingt notwendig und unterstützenswert.

Mirjam: Neonyt ist eine Community-Plattform. Auch die beiden Formate Fashn Rooms und Shoes setzen stark auf Community, auf Content Creators. Wie siehst du die Zusammenarbeit mit Multiplikatoren aus beiden Bereichen in Hinblick auf einen möglichen Change-Effekt auf die Mode?
Ulrike: Wandel entsteht durch Sichtbarkeit. Ein Gedanke, der unausgesprochen und ungehört bleibt, wird niemals einen Effekt haben können. Die Relevanz des Gedankens wird erst offensichtlich, wenn er unter Menschen gebracht wird, um ihn dort räsonieren und Wellen schlagen zu lassen. Unsere Communities sind der perfekte Resonanzraum für unsere Ideen. Durch sie erfahren wir unmittelbar, wenn wir mit unserem Gedanken nicht ganz richtig lagen und was wir besser machen können. Sind Ideen reif genug, um den „Community-Test“ zu bestehen, wachsen sie automatisch weiter, gewinnen Reichweite und damit die Sichtbarkeit, die der Wandel braucht.

Mirjam: So wie es ist kann es nicht bleiben. Wie wird Wandel möglich? Was wünschst du dir für die Mode in Deutschland?
Ulrike: Düsseldorf liegt im Herzen Europas, die Grenzen zu Belgien und den Niederlanden existieren vorrangig auf dem Papier, deswegen ist auch mein Wunsch für die Mode und damit auch für uns als Messeveranstalter ‚lokal, international‘: Ich wünsche uns allen die Courage, den kommenden Herausforderungen und Chancen offen und lösungsorientiert zu begegnen. Lasst uns gemeinsam voranschreiten und partnerschaftlich Visionen zu Realitäten machen.

…UND ZUM SCHLUSS

Hinter jeder Macherin steht auch eine Person mit Gefühlen, Beürfnissen, Wünschen. Neben dem Versuch, ein klares Bild von der neonyt am Rhein zu zeichnen, geht es diesem Interview auch darum, die Macherin dahinter ein bisschen besser kennen zu lernen…

Mirjam: Die Textilwirtschaft hat „Die Messemacherin“ getitelt. Sie stehen als Frau in der immer noch männlich besetzten Domäne ganz weit oben. So auch Bettina Bär, die zuletzt als Show Director bei der Messe Frankfurt die Neonyt verantwortet hat. Gibt das Hoffnung auf mehr weibliche Präsenz in Führungspositionen?
Ulrike: Ich bin, was das Thema Feminismus angeht, keine Revolutionärin. Aber ich wünsche mir mehr Diversität in den Chef*innen-Etagen. Ich möchte eine gesunde Mischung. Ich bin der Meinung, das Frauen viel besser in die Teamarbeit, auf ihre Mitarbeiter*innen eingehen können. Ich setze hier zwar Sachen durch, aber Frauen haben die Fähigkeit, dafür einzustehen, wenn der Weg, den sie genommen haben, die Entscheidung, die sie getroffen haben, doch nicht richtig war. Dann gehen wir einen Schritt zurück und nehmen die Meinung der anderen mit.

Es ist verrückt, dass wir in dieser Textil-/Fashionbranche noch so viele Männer in den obersten Reihen sitzen, obwohl es hier um ein sehr weibliches Produkt geht. Das müsste viel partnerschaftlicher funktionieren. So wie bei uns im Unternehmen. Mein männlicher Geschäftspartner hat gesagt ‚das ist deine Welt‘. Er kümmert sich um die Zahlen – ich bin für das Team zuständig.

Wir Frauen müssen – abseits der Frauenquote – die Chance bekommen, uns beweisen zu können.

Mirjam: Gibt es etwas, dem du ein wenig ängstlich entgegenblickst in Hinblick auf deine erste Neonyt?
Ulrike: Ängstlich in die Zukunft zu schauen ist nicht meine Art. Ich freue mich eher darauf, dieses Projekt endlich live erleben zu dürfen. Sicherlich gibt es auf dem Weg dorthin die ein oder andere Komponente, der wir besondere Aufmerksamkeit schenken müssen. Dazu gehört in erster Linie die Verantwortung, die Veranstaltung für Aussteller*innen und Besucher*innen als „echte“ Neonyt authentisch erlebbar zu machen – trotz der offensichtlichen Neuerungen. Dieser Verantwortung sind wir uns sehr bewusst: Wir haben eine klare Vorstellung der ersten Neonyt Düsseldorf, einen detaillierten Matchplan und ein tolles Team, das alles gibt, diese zu realisieren.

Mirjam: Worauf freust du dich am meisten, wenn sich am 28.1.2023 die Pforten für die erste Neonyt im Areal Böhler öffnen?
Ulrike: Ich freue mich besonders darauf, zu erleben wie Menschen zusammenkommen. Zu sehen, wie neue (nicht nur Geschäfts-)Freundschaften geknüpft werden und positive Emotionen die Hallen immer mehr füllen… und ich dabei sein darf!

Vielen Dank für das ausführliche Gespräch, Ulrike.

Alle Infos, Ausstellerbewerbung, Presseakkreditierung für Neonyt Düsseldorf >>>

10 Fragen. 10 Antworten: Quick and (not) dirty.

Dein absoluter Lieblingslook (an Dir!)?
Hose, Jackett, stylische Lederjacke, Schal. Im Winter Rollkragenpullover. Ich bin ein großer Fan von sportlicher Eleganz. Diesem Stil bin ich immer treu geblieben.

Wann macht Dich Deine Arbeit glücklich?
Wenn ich Menschen mit meiner Emotion für das was ich tue gewinnen kann.

Was kannst Du besser als andere?
Ich arbeite immer an einer Lösung und höre nicht auf, bevor ich diese Lösung nicht umsetzen konnte.

Was kannst Du gar nicht?
Untätiges Herumsitzen und Abwarten.

Welchen Rat würdest du deinem 18jährigen Ich geben?
Mach alles wieder genauso. Beruflich wie auch privat.

Woraus schöpfst du Energie?
Aus beruflichen Erfolgen zusammen mit meinem Team und vor allem von gemeinsamen Abenden und erfüllenden Gesprächen mit meinen Kindern (Tochter 25, Sohn 23)

Was ist deine Lieblingsspeise?
Lammfilet mit Bratkartoffeln und Rucolasalat. Das koche ich auch gerne selber.

Und welches ist dein Lieblingsurlaubsziel?
Als totaler Skifan (und ausgebildete Skilehrerin) reise ich gerne in den Schnee. Nachdem ich in meiner Kindheit und Jugend viel Zeit in Kitzbühel verbracht habe, liebe ich auch heute noch diese Gegend.

Das letzte Kleidungsstück, das du dir gekauft hast?
Das war eine Hose von Cambio und letztes Wochenende ein Alpakapullover mit passendem Schal von der nachhaltigen Brand Like a Bird aus Herford.

Der beste Rat, den du je bekommen hast?
Der kam von meinem Vater: Kind, sei positiv dagegen. Alles hat seine Zeit. Deshalb bin ich sehr positiv eingestellt.

*NEONYT licensed by Messe Frankfurt Exhibition GmbH lautet der offizielle Name des neuen Formats am Rhein. Ein wenig sperrig im daily business. Da es sich um die einzige Neonyt Lizenz in Deutschland handelt, ist eine Verwechslung nahezu ausgeschlossen. Neonyt Düsseldorf geht hingegen etwas leichter von der Lippe/über die Tastatur. Wir bitten daher um Verständnis, dass wir im Interview die Kurzversion Neonyt bzw. bei relevanten Unterscheidungsmomenten Neonyt Düsseldorf verwendet haben.

**Gut zu wissen: IGEDO – 1949 von der Düsseldorfer Unternehmerfamilie Kronen als Interessengemeinschaft Damenoberbekleidung gegründet, befindet sich heute wieder zu 100 Prozent in Familienbesitz. Der Messeveranstalter ist für seine herausragende Expertise im Modesektor bekannt: CPD Collectionspremieren Düsseldorf damals, Fashn Rooms (hervorgegangen aus den Gallery Formaten, die Folgeformate der CPD) und Shoes Düsseldorf heute, sind nur einige Formate, die das Unternehmen erfolgreich abwickelt und dazu beiträgt, dass Düsseldorf wieder zu dem Orderstandort wurde, der er war. Die gesamte Igedo Historie kann man hier nachlesen >>>