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Luxusmarke oder Discounter? Beide gleich!

Die Corona Pandemie hat die Textilindustrie hart getroffen. Die Lage der Arbeiter*innen, die schon bisher keine besonders gute war, wird zunehmend schwieriger. Die Ökonomin Bettina Musiolek engagiert sich seit 25 Jahren bei der „Clean Clothes Campaign“ und hat die deutsche Plattform „Kampagne für Saubere Kleidung“ mitbegründet. Der Fokus der Arbeit liegt auf den sozialen Aspekten der Wertschöpfungskette, Ziel ist die Schaffung von menschenwürdigen Arbeitsbedingungen.

Bettina Musiolek beschäftigt sich in erster Linie mit den Ländern Ost- und Südosteuropas*. Ohne die Türkei mitzurechnen arbeiten dort ca. 1,5 Millionen Menschen, die unsere Mode produzieren. Die Corona-Krise hat deren Arbeitsbedingungen nochmals verschlechtert. „Die Unternehmen geben den Kostendruck an die Arbeiter*innen weiter, Nervosität und Aggressivität nahmen zu, Beschäftigte wurden gezwungen Urlaub zu nehmen, andere wiederum mussten arbeiten, aber für die Hälfte des Lohnes.“ verrät sie im Video-Interview. Wichtig zu wissen: Ihr Lohn bewegte sich bereits vor der Krise auf der Ebene des Mindestlohnes.

Das betrifft nicht nur die Fast Fashion Industrie. Diese Praktiken finden sich genauso bei der Produktion für hochpreisige Luxusunternehmen.

Arbeitsgesetze in der Bekleidungsindustrie werden momentan noch weniger beachtet als vor Corona.

 Zwischen Europa und Asien gibt es keine grundlegenden systemischen Unterschiede.

Musiolek betont, dass das Macht- und Einflussgefälle in den Lieferketten durch Corona noch deutlicher sichtbar wurde. „Die Bedingungen stellen die Brands und Händler, nicht die Produktionsfirmen.“ Daher die konsequente Forderung der Clean Clothes Campaign: die Modemarken müssen eine Lohngarantie abgeben.

Forderung der Clean Clothes Campaign: Modemarken müssen eine Lohngarantie abgeben.

Immer wieder wird darüber diskutiert, wer denn nun besser und wer schlechter produziert, die Luxusbranche oder Fast Fashion-Ketten? Die Clean Clothes Campaign hat hier viel recherchiert und kommt zum Schluss, dass es keine gravierenden Unterschiede gibt. Häufig produzieren sie in derselben Fabrik.

„Die Arbeiter*innen der globalen Lieferketten zahlen den Preis für die Konsequenzen der Pandemie“ – Bettina Musiolek

Seit 2013 die Fabrik Rana Plaza in Bangladesch in sich zusammengestürzt ist und über tausend Menschen unter sich begrub, haben die Diskussionen zum Thema zugenommen. Besonders diejenigen Unternehmen sind Vorreiter bezüglich der menschenrechtlichen Verantwortung in ihren Lieferketten, die seit längerer Zeit unter Beobachtung der Clean Clothes Campaign gestanden haben. „Wir haben die großen Modemarken im Visier gehabt. Deshalb hinkt die Luxusbranche hinterher.“

Aber gibt es auch wirklich Konsequenzen?
„Es wird viel geredet und es folgen keine Taten.“

„Damit sich wirklich etwas verändern wird, braucht es Druck aus der Zivilgesellschaft. Und wir brauchen ein Lieferkettengesetz, damit Menschenrechtsverstöße auch wirklich geahndet werden.“

*Ukraine, Polen, Slowakei, Albanien, Türkei, Bosnien, Bulgarien

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