Fair Fashion – ein Blick auf Bayern

Der Trend zu nachhaltiger Mode ist auch in Bayern angekommen. Als Gegenentwurf zur Fast Fashion entstehen neue, faire Modemarken. Doch auch bereits bekannte Labels versuchen ihren ökologischen Fußabdruck zu verringern. Respekt, Wertschätzung für die Wertschöpfung, Zertifizierungen wie Grüner Knopf und PETA Approved Vegan, Linear- vs. Kreislaufwirtschaft – Leonie Thim spricht mit bayerischen Machern über die unterschiedlichen Ansätze für Nachhaltigkeit in der Mode und deren aktuellen Umgang mit der Corona-Pandemie.

Jetzt hören: B2 – radioReportage von Leonie Thim: Von Fast – Fashion zu Fair Fashion – Wie Kleidung nachhaltiger wird

manomama | Sina Trinkwalder

„Wir müssen es noch besser machen, damit wir diese Klimakrise irgendwie in den Griff kriegen können“, sagt manomama-Gründerin Sina Trinkwalder, die seit über zehn Jahren nachhaltige Mode in Augsburg produziert, „weil wir auch hier den Menschen, die keinen Doktortitel vorweisen können eine Möglichkeit auf einen Job geben müssen“. Und das, so Trinkwalder, sei langfristig sowieso die günstigere Variante. Denn das Einschleifen auf Prozesse in der Modeproduktion dauere eine längere Zeit, weshalb sie versucht, möglichst viele ähnliche Stücke zu produzieren.

Ihr Ziel? Weniger neu produzieren, weniger wegwerfen, mehr wiederverwerten. Deshalb entstehen aus Markisenresten Rucksäcke und aussortierte Bordüren, zieren BHs. Sie möchte CO2-neutral produzieren und noch in diesem Jahr ganz auf die Verwendung neuer Ressourcen verzichten.

Wenn ich etwas neu produziere entsteht neues CO2.
Wenn ich die Reste anschließend verbrenne entsteht doppelt CO2.
Wenn ich Reste wiederverwehrte schone ich den CO2 Verbrauch.

Und bezogen auf Corona: Manomama produziert im Akkord Mund-Nasen-Masken.

Jesango | Catja Günther, Alina Friedrichs, Sophia Wittrock

Jesango ist Esperanto und bedeutet „Ja zur Veränderung“. Auf ihrem Blog wollen die drei Münchner Gründerinnen mit Mythen aufräumen und haben ein Start-up gegründet: Einen Online-Shop für zertifizierten Brands. Ihre Mission: Ein transparenter Produktionsprozess.

Und bezogen auf Corona: Das Anfang 2020 gegründete Start-up hat das temporäre Büro in der Hochschule München aufgegeben und Office sowie Lager kurzfristig in die privaten Räume von Sophia Wittrock verlegt. Nach einem ersten Einbruch der Klickzahlen haben sie sich inzwischen wieder erholt.

GREENSTYLE munich fair and conference | Mirjam Smend

1,7 Millionen Tonnen klimaschädliches CO2, verursacht durch lange Transportwege, Wasserbedarf und Pestizide beim Baumwollanbau und giftige Färbemittel sind pro Jahr auf die Textilindustrie zurückzuführen. Das wissen immer noch zu wenige Verbraucher. Deshalb hat Mirjam Smend 2018 die Messe und Konferenz für nachhaltige Mode ins Leben gerufen. Experten der Branche und faire Labels zeigen hier dem Konsumenten, wie nachhaltige Mode aussehen und funktionieren kann.

Unterstützung für nachhaltige Brands ist jetzt wichtiger denn je.
Die Krise muss doch für irgendetwas gut sein.
Und wenn es die Stärkung der Nachhaltigkeit ist.

Und bezogen auf Corona: Wir hoffen, dass wir mit der Veranstaltung durch die Krise kommen, um jetzt und später unser Engagement für nachhaltige Brands und das Thema fortsetzen zu können.

Ambiletics | Giulia Becker

Giulia Becker produziert Sportmode aus recyceltem PET, weil sie ihre Leidenschaft für bewussten Lebensstil und nachhaltige Activewear mit anderen Frauen teilen möchte. Bekehren möchte sie jedoch nicht, denn der Wunsch nachhaltig leben zu wollen, muss bei jedem Menschen selbst entstehen. Produziert werden ihre PETA approved vegan zertifizierten Tops, BHs und Leggings in Portugal in einem kleinen Betrieb, den sie persönlich besucht hat.

Und bezogen auf Corona: In der Corona-Zeit gab und gibt es eine starke Nachfrage nach Activewear. Entgegen der Pläne viel offline präsent zu sein, konzentriert sich Giulia Becker jetzt wieder auf den Online-Handel.

Kranz – Nikolaus Schötz

„Nachhaltig ist ein positiver Wert – warum sollte ich das also nicht machen?“. Ist die Meinung von Nikolaus Schötz, der seine Ledergürtel in Süddeutschland produzieren lässt.  Dazu musste ein Netzwerk aufgebaut werden, was gar nicht so einfach war, weil oftmals das Handwerk aufgegeben wurde.

Made in Germany bedeutet, dass mindestens 51 Prozent des Produktes in Deutschland gefertigt wurden.

Seit den 1990er Jahre wächst Fast Fashion ständig. Kleidung in Deutschland herzustellen war out. Das ändert sich gerade wieder. Der Kunde muss sich selber mit dem Gedanken auseinandersetzen und darüber nachdenken, ob das sein kann, dass ein Produkt so günstig ist. Dann ist man auch bereit höhere Preise zu zahlen. Wenn man das Produkt länger nutzt, kostet wird es dadurch auch wieder günstiger.

Und bezogen auf Corona: Für Kranz ist die spannendste Zeit die Herbst- und Wintersaison. Zusammen mit den Rücklagen und der Corona-Hilfe des Landes sollte Kranz es durch die Krise schaffen.

Alle gehen mit der Krise unterschiedlich um. Was alle vereint? Der Wunsch nach einem bewussten und klimaschonenden Modekonsum.