Siegel und Zertifikate in der nachhaltigen Mode

Ökologisch korrekt und fair produziert – viele Textilhersteller versuchen beim Kunden mit positiv besetzten Attributen zu punkten. Aber woran erkennt man nachhaltige Kleidung wirklich? Diese Siegel und Zertifikate sorgen für Klarheit. To be continued…

Gut zu wissen: Es gibt zahlreiche Labels, die ökologisch korrekt und sozial verantwortungsvoll produzieren ohne (häufig aus Kostengründen) Siegel dafür zu verwenden. Die Facetten der nachhaltigen Mode sind groß undreichen von lokaler Produktion, Re- und Upcycling über innovative Materialien bis hin zu alternativen Konsummodellen. Alle GMUC Brands erfüllen mindestens eines dieser Kriterien.

B


Better Cotton Initiative

Die Better Cotton Initiative ist eine Non-Profit-Organisation mit dem Ziel der Verbesserung der ökologischen und sozialen Bedingungen im Baumwollanbau. Baumwollproduzenten müssen genau definierte Kriterien erfüllen, bevor sie das Siegel beantragen können. Kontinuierliche Verbesserungen und die Erfüllung weiterer Anforderungen müssen sichergestellt werden. Die Anforderungen variieren je nachdem, ob sie Kleinbauern oder Plantagenbesitzer sind. Das Siegel erscheint nicht auf den fertigen Produkten.
bettercotton.de

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Blauer Engel

Mit dem Blauen Engel hat sozusagen alles angefangen. Die dienstälteste Zertifizierung für Produkte und Dienstleistungen im Umweltsektor wurde 1978 auf Initiative des Bundesministeriums des Inneren ins Leben gerufen. Seit dem kennzeichnet der Blaue Engel auf freiwilliger Basis Produkte und Dienstleistungen, die als besonders umweltfreundlich eingestuft werden. Folgende Aspekte spielen dabei eine Rolle: der sparsame Einsatz von Rohstoffen bei der Herstellung, der respektvolle Umgang mit Gesundheits- und Arbeitsschutz, Langlebigkeit und nachhaltige Entsorgung.
blauer-engel.de

Bluesign

Bluesign ist ein Zertifikat der Textil- und Chemieexperten der Bluesign Technologies AG mit der Aufgabe, chemische Risiken einschließlich aller Detox-Substanzen entlang der gesamten Wertschöpfungskette zu untersuchen. Neben einer Negativliste gibt es auch eine zusätzliche Positivliste für Chemikalien, die auf ihrer Website im Bluefinder eingesehen werden kann. Alle Faserarten sowie Recyclingmaterialien können, unter Ausschluss gefährlicher Stoffe, zertifiziert werden. Mit über 500 Systempartnern hat das Textilsiegel mehr als jedes andere, einschließlich Vaude, Adidas, Puma und G-Star.
bluesign.com

C

Cradle-to-Cradle

Unter dem Cradle-to-Cradle-Prinzip, Ende der 90er Jahre initiiert vom deutschen Chemiker Michael Braungart und dem US-amerikanischen Architekten William McDonough, versteht man durchgängige und konsequente Kreislaufwirtschaft. Produkte sollen nach dem Gebrauch vollständig zu neuen Produkten verarbeitet werden. Eine entsprechende Zertifizierung, die C2C-Zertifizierung wird seit 2010 vom Non-Profit Cradle-to- Cradle Products Innovation Institute verliehen. Bewertet wird nach folgenden Gesichtspunkten: Materialgesundheit, Kreislauffähigkeit, erneuerbare Energien, verantwortungsvoller Umgang mit Wasser sowie soziale Gerechtigkeit.
c2ccertified.org

E

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ECONYL®

ECONYL® ist eine zu 100 Prozent regenerierte und regenerative Faser, die aus Nylon Abfällen, wie kaputten und unbrauchbaren Fischernetzen, Stoffen, alten Teppichen und anderen Wertstoffen hergestellt wird. Mit Hilfe innovativer Technologien ist es inzwischen möglich, aus diesen Abfällen ein Premium-Garn, das sogenannte ECONYL® Garn herzustellen, aus dem feinste Materialien gewebt werden können. Damit ist es dem in Italien ansässigen Unternehmen Aquafil, einem der weltweit führenden Unternehmen der synthetischen Faserindustrie gelungen, den Kreislauf zu schließen. Zum Einsatz kommt das revolutionäre Material zum Beispiel bei den Strumpfhosen des deutschen Traditionsunternehmens Kunert, das mit Kunert Blue im Januar 2017 eine nachhaltige Strumpfhosenkollektion gelauncht hat.
Weitere Informationen zu econyl.com/de

EU Ecolabel
EU Ecolabel

Das EU Ecolabel ist ein international anerkanntes Gütesiegel, das seit 1992 dazu dient, umweltfreundliche Produkte für den Verbraucher leichter identifizierbar zu machen. Bei der Bewertung eines Produktes wird der gesamte Produktlebenszyklus inklusive umweltverträglicher Herstellung und Entsorgung beleuchtet. Es gilt sowohl für Natur- als auch für Kunstfasern. Verantwortet wird das Siegel von European Union Ecolabelling Board (EUEB). Inhaber ist die Europäische Kommission. Das Gütesiegel wird in allen EU-Mitgliedsstaaten inkl. Norwegen, Liechtenstein und Island anerkannt. In Deutschland sind das Deutsche Institut für Gütersicherung und Kennzeichnung (RAL) und das Umweltbundesamt für die Prüfung und Vergabe des Siegels (jeweils für drei Jahre) verantwortlich. eu-ecolabel.de

F

Fair Wear Foundation

Die gemeinnützige Fair Wear Foundation (FWF) hat sich zum Ziel gesetzt, die Arbeitsbedingungen in der Textilindustrie zu verbessern. Die Mitgliedsunternehmen werden regelmäßig auf die Umsetzung des Anforderungskatalogs der FWF überprüft und evaluiert. Diese Kontrollen finden auch in den Produktionsstätten statt. Darüber hinaus entwickelt die Fair Wear Foundation Ansätze, mit deren Hilfe Menschenrechte im Produktionsprozess besser durchgesetzt werden können.
fairwear.org


Fairtrade

Das Fairtrade-Siegel steht für fair angebaute und gehandelte Produkte, bei dem alle Zutaten zu 100 Prozent unter Fairtrade-Bedingungen gehandelt sind und physisch rückverfolgbar sind.
fairtrade-deutschland.de

G

Global Organic Textile Standard

Der Global Organic Textile Standard ist eines der strengsten und bekanntesten Qualitätssiegel für ökologische Kleidung. Seit 2008 kennzeichnet es Produkte, deren gesamte Produktion bestimmte ökologische und soziale Standards erfüllt. 90 Prozent der GOTS-zertifizierten Kleidung muss aus Naturfasern bestehen, von denen mindestens 70 Prozent aus biologischem Anbau stammen müssen. Darüber hinaus müssen soziale und arbeitsrechtliche Standards eingehalten werden. Dazu gehören keine Kinder- und Zwangsarbeit, die Einhaltung lokaler Mindestlöhne, verträgliche Arbeitsbedingungen und Arbeitsschutzmaßnahmen.
global-standard.org

K

Kreislaufwirtschaft

Ziel der Kreislaufwirtschaft ist es, die für ein Produkt verwendeten Rohstoffe am Ende seiner Lebensdauer wieder in den Produktionsprozess zurückzuführen und auf diese Weise sowohl Ressourcen zu sparen als auch Müll zu vermeiden. Damit steht die Kreislaufwirtschaft im Gegensatz zur vorherrschenden Linearwirtschaft (Wegwerfwirtschaft), bei der ein großer Teil der Produkte nach ihrer Nutzung auf Deponien landen oder verbrannt werden.

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Linearwirtschaft / Wegwerfwirtschaft

Im Rahmen der vorherrschenden Linearwirtschaft (auch Wegwerfwirtschaft) landen große Teile der Produktion nach ihrer Nutzung auf Deponien oder werden verbrannt. Die verwendeten Rohstoffe werden am Ende ihrer Lebensdauer nicht wieder in den Produktionsprozess zurückgeführt. Damit steht die Linearwirtschaft im direkten Gegensatz zur Kreislaufwirtschaft, bei der die für ein Produkt verwendeten Rohstoffe am Ende seiner Lebensdauer wieder in den Produktionsprozess zurückgeführt und auf diese Weise sowohl Ressourcen gespart sowie Müll vermieden wird.

N

Naturtextil IVN Best zertifiziert

Der Internationalen Verband der Naturtextilwirtschaft e.V. (IVN) ist ein Berufsverband, dem sich seit 1989 Unternehmen aus der Naturtextilproduktion (Textilien und Leder) angeschlossen haben (u.a. hessnatur, Alnatura) die höchste Ansprüche an Umweltschutz, soziale Verantwortung, Produktqualität und Verbraucherschutz haben. Der IVN vergibt die beiden Qualitätszeichen Naturtextil IVN Best und IVN-Naturleder, deren Richtlinien den höchsten realisierbaren ökologischen und sozialen Standard dokumentieren. Im Rahmen der IVN-Zertifizierung werden alle an der Produktionskette beteiligten Betriebe durch unabhängige Institute geprüft.
naturtextil.de

O

Oeko-Tex® Standard 100

Anfang der 90er Jahre stieg das Interesse von Verbrauchern an unbedenklichen Textilien. Um dem Wunsch nach Transparenz nachzukommen, haben das Österreichische Textil-Forschungsinstitut (ÖTI) und das deutsche Forschungsinstitut Hohenstein den Oeko-Tex® Standard 100 entwickelt. Damit wurde erstmals eine einheitliche Richtlinie für Verbraucher und Hersteller etabliert. Es werden ausschließlich diejenigen Produkte zertifiziert, bei denen alle Elemente genau definierte Schadstoffgrenzen unterschreiten. Neben der Unbedenklichkeit in Bezug auf den Hautkontakt des Oberstoffes, betrifft das auch Zubehörteile wie Nähgarne, Knöpfe, Reißverschlüsse etc. oeko-tex.com

 

P

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PETA-Approved vegan

Produkte, die sich mit dem PETA-Approved vegan-Logo schmücken dürfen, sind zu 100 Prozent vegan. Leder, Wolle, Seide und natürlich Pelz sind bei der Herstellung genauso tabu, wie Kleinteile, die tierische Inhaltsstoffe aufweisen. Dementsprechend sind auch Schuhkleber aus Knochenleim oder Perlmuttknöpfe verboten. Im Gegensatz zu vielen anderen Siegeln ist dieses Siegel kostenlos. Deswegen können sich auch kleine, neue Labels, die die Anforderungen erfüllen, dieses Siegel leisten.
peta.de

 

R

Recycling

Beim Recycling (dt. Wiederverwertung, Wiederaufbereitung) werden Abfallprodukte wiederverwertet, bzw. werden deren Ausgangsmaterialien zu Sekundärstoffen. Sekundärstoffe sind Rohstoffe, die durch Recycling aus entsorgtem Material gewonnen werden. Findige Eco-Fashionlabels haben ausgediente Produkte für sich entdeckt und machen durch Wiederverwertung der „ausgedienten“ Faser neue, großartige Mode (z.B. MUD Jeans). Dadurch kann u.a. der ressourcenintensive Baumwollanbau reduziert und die Gewinnung von Polyester aus Rohöl verringert werden.

T

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Tencel

Immer wieder hört man die Begriffe Tencel bzw. Lyocell in Zusammenhang mit nachhaltiger Mode. Wer schon ein Kleidungsstück aus Tencel in der Hand oder sogar auf dem Körper getragen hat, weiß, um was für ein fantastisches Material es sich hier handelt. Aber was ist Tencel eigentlich? Tencel ist eine aus natürlichen Rohstoffen industriell hergestellte Zellulosefaser. Zellulose wird aus Holz gewonnen – in diesem Fall aus asiatischem oder südamerikanischem Eukalyptusholz aus nachhaltiger Forstwirtschaft. Die Faser wird in einem geschlossenen Kreislauf hergestellt und wurde von der Europäischen Union mit dem „European Award for the Environment“ ausgezeichnet. Neben dem enorm hohen Tragekomfort und der vielseitigen Anwendung für Bettwäsche, Heimtextilien & Co. sind es vor allem die nachhaltigen Aspekte, die Tencel zur Zukunftsfaser machen: Zum einen werden die für den Herstellungsprozess nötigen Lösungsmittel zu fast 100 Prozent wiederverwendet. Zum anderen wird bei der Herstellung ein Bruchteil der Wassermenge benötigt, wie es bei der Produktion von konventionellen Chemiefasern der Fall ist. Ein weiteres Plus: Im Gegensatz zu z.B. Baumwolle, sind für den Anbau von Eukalyptus keine künstliche Bewässerung und kein Einsatz von Pestiziden nötig. Und Tencel ist biologisch abbaubar. Angeboten wird Tencel von der österreichischen Lenzing AG.

W

Wegwerfwirtschaft / Linearwirtschaft

Im Rahmen der Wegwerfwirtschaft (auch Linearwirtschaft) landen große Teile der Produktion nach ihrer Nutzung auf Deponien oder werden verbrannt. Die verwendeten Rohstoffe werden am Ende ihrer Lebensdauer nicht wieder in den Produktionsprozess zurückgeführt. Damit steht die Linearwirtschaft im direkten Gegensatz zur Kreislaufwirtschaft.