Gute Luft für gutes Miteinander

Fair Fashion Solidarity, Nachbarschaftshilfe & Co. – all die guten Dinge, die wir in der Krise lernen, sollten wir in guten Zeiten nicht vergessen. Deshalb hat der Münchner Kommunikationsexperte Holger Petermann von THINK INC. die Kampagne #guteluft gelauncht

THINK INC. Co-Founder Holger Petermann hätte auf der GREENSTYLE Conference im März 2020 am Panel „Die Farben der Saison… sind der Schatten der Nachhaltigkeit. Gibt es den richtigen Weg?“ teilgenommen. Aber daraus wurde bekanntlich erst mal nichts. Da kam Corona dazwischen. Und Corona, beziehungsweise die Erfahrungen dieser Zeit, haben den PR und Marketing-Experten dazu inspiriert, die Kampagne #guteluft zu launchen.

Zeige Haltung und übernehme Verantwortung.
Dein ethisches Handeln zählt – jetzt und nach Corona.
NOW IS THE NEW NORMAL.

Think Inc

Worum geht’s? Die Kampagne möchte „das achtsame und verantwortliche Miteinander in den Fokus rücken und auch für die Zeit nach Corona erhalten“. Susanne Barta hat Holger Petermann via Zoom zur Kampagne befragt, denn was wir jetzt in der Krise lernen, sollten wir in guten Zeiten nicht vergessen.

„Mir müssen schauen, dass wir die Wirtschaft jetzt besser aufbauen nach etwas anderen Richtlinien.“ Holger Petermann, THINK INC.

Dass diese Zeit ihre Spuren hinterlassen wird, davon gehen die meisten von uns aus. Was wir allerdings daraus lernen und mitnehmen werden, let´s see. „Die #guteluft Kampagne vermittelt, was wir heute haben, sollten wir morgen weiterbenutzen und nicht mehr verlieren.“ Holger glaubt daran, „dass solche Weltkrisen schon dazu führen, dass wir eine gesellschaftliche Veränderung haben werden.“

„Sehr viele Kinder und Jugendliche haben diese Werte, die wir nicht haben, sie lernen sie spielerisch. Meine Hoffnung ist bei der Jugend.“

Holgers Anleitung zum viralen Erfolg:

A Du entdeckst die Kampagne und teilst sie, mach einfach mit!
B Mach Dein eigenes Motiv, nutze die Bausteine (siehe unten) und poste dies in deinem Feed
C verlinke die Hashtags und Deine Freunde, mit denen Du es teilen möchtest

Hier sind die Bausteine:

  1. Wähle ein relevantes Bild, eines von Dir oder auch das eines Freundes.
  2. Integriere #guteluft und unterlege den Begriff in Blau
  3. Übernehme den Gute Luft Basistext und platziere ihn auf Deinem Bild: Was wir jetzt in der Krise lernen, sollten wir in guten Zeiten nicht vergessen. Zeige Haltung und übernehme Verantwortung. Dein ethisches Handeln zählt – jetzt und nach Corona. NOW IS THE NEW NORMAL
  4. Hashtag #guteluft oder #goodair
  5. Tagge Deine Freunde und share Deine Motive, denn davon gibt es unendlich viele!
  6. verlinke: @holger_petermann

#GOODAIR (#GUTELUFT)

A campaign by Holger Petermann, THINK INC. Communications

Pandemie: Wie die Modebranche leidet.

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In der Krise wird die Mode Opfer ihres eigenen Geschäftsmodells und ist gnadenloser denn je. Anja Utfeld liefert mit ihrer ZDF-Doku „Pandemie: Wie die Modebranche leidet.“ einen spannenden Einblick in die aktuelle Situation der Branche mit Inhalten von u.a. Mirjam Smend, Dr. Peter Rinnebach (Accenture), Dr. Gisela Burckhardt (Femnet) und Prof. René Fahr (Universität Paderborn).

Pandemie: Wie die Modebranche leidet.

Die Modewelt dreht sich immer schneller. Immer mehr Trends folgen in immer kürzeren Abständen. Und dann kam Corona mit dem Shutdown. Die Fashion Welt bricht zusammen wie kaum eine andere Branche.
♦ Modetempel machen dicht.
♦ Die Branche sitzt auf Klamottenbergen von unüberschaubarem Ausmaß.
♦ In den Lagern der Textilsammler stauen sich Unmengen an Altkleidern.
♦ Durch Corona ist der weltweite Second Hand Markt zusammengebrochen.
♦ Und auch die Produktionsländer sind massiv betroffen.

In der Krise ist die Modenbranche gnadenloser denn je.

Laut Handelsverband Textil wurden vor Corona täglich mehr als 10 Millionen Kleidungsstücke verkauft. Inzwischen sind die Umsätze massiv eingebrochen. Die Branche sitzt auf Bergen von Klamotten. Aber es kommen noch weitere Lieferungen nach. Der Grund? Große Teile der Textilien werden in China produziert und werden per Schiff in Containern nach Europa verschickt.

„Das Problem der Modeindustrie ist die Kombination aus schneller Taktung mit kurzfristigen Trends und monatlichen Neuheuten bei langer Reaktionszeit.“ Dr. Peter Rinnebach, Managing Director Accenture

Im Februar hatten viele Händler noch Angst, ihre Ware aus China nicht zu bekommen. Deshalb wurden einige Produktionen in andere asiatische Länder verlagert. Dann kam auch in Europa der Shutdown. Die Zeit vom Entwurf bis sie dann im Laden liegt, dauert auch heute immer noch fast ein Jahr. Auch die Produktion in Asien dauert einige Monate. Deshalb können die Marken bei kurzfristigen Veränderungen kaum reagieren. Das Problem der Modeindustrie ist die Kombination aus schneller Taktung der kurzfristigen Trends und monatlichen Neuheuten bei langer Reaktionszeit. Und deshalb kommt trotz massiver Überbestände immer noch neue Ware nach Europa.

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Auch vor Corona hatten wir schon ein massives Überangebot im Handel.

Deshalb wurde auch damals schon nur ein geringer Teil der Ware zum vollen Preis verkauft. Was vorher schon sehr schwierig für die Profitabilität der Unternehmen war, bringt sie heute teilweise in Existenznot.

Die Überbestände sind so groß wie nie. Was passiert damit?

Innature nimmt nicht verkaufte Neuware als Spende entgegen und organisiert die Weitergabe an gemeinnützige Organisationen. Ein Modell, das aus vielerlei Gründen sinnvoll wäre. Hätte das System nicht einen Haken: Spenden ist teurer als vernichten. Denn auch wenn ein Unternehmen spenden möchte, wird die Umsatzsteuer fällig.

Jeans mit Neupreis 50 Euro
Spendenkosten 4,66 Euro
Entsorgungskosten 0,85 Euro

Bundesumweltministerin Svenja Schulze will verhindern, dass Neuware vernichtet wird. Aber warum ist Spenden dann immer noch teurer? Das Bundesumweltministerium beruft sich dabei auf die Tatsache, dass das deutsche Steuerrecht auf EU-Recht basiert und das eine Umsatzsteuerbefreiung von Sachspenden von Unternehmen nicht zulässt.

Neuware spenden ist teurer als vernichten.

Laut einer Studie der Universität Bamberg (Forschungsgruppe Retourenmanagement) wurden schon vor Corona 3,9 Prozent der Retouren im Versandhandel entsorgt. Auch wenn das auf den ersten Blick nach wenig aussieht – wir sprechen hier von 20 Millionen Artikeln im Jahr. Viele Produkte sind defekt, aber ca. 7,5 Millionen Artikel hätten noch gespendet werden können.

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20 Millionen retournierte Artikel werden pro Jahr entsorgt.

Welche Maßnahmen ergriffen werden, um den textilen Einzelhandel durch die Krise zu bringen und die Modeindustrie wieder auf gesunde Füße zu stellen, das Problem von Krediten, Preisreduzierungen, Überbeständen sowie weitere Einblicke in das  Thema Altkleider und die Probleme der Branche mit billiger Kleidung, und der Situation der Näherinnnen in Bangladesch, einem fehlenden Lieferkettengesetz, Entschleunigung in der Mode und neue Ansätze gibt’s in der Dokumentation „Pandemie: Wie die Modebranche leidet.“

Planet e. Pandemie: Wie die Modebranche leidet.
Eine Dokumentation von Anja Utfeld. Staffel 01, Folge 08
Hier ansehen (bis 14.6.2021)

Veganer Lederersatz: Appleskin

Schuhe, Taschen und Accessoires aus Leder kann man auch aus Appleskin machen. Der Südtiroler Hannes Parth hat dieses ebenso innovative wie vegane Material mit seinem Start-up Frumat in jahrelanger Tüftel-Arbeit entwickelt. Inzwischen wird es auch in der Mode eingesetzt.

Appleskin entsteht aus industriellem Biomüll. Hergestellt wird der vegane Lederersatz aus den Resten nach der Saftpresse, die sonst in den Sondermüll gehen würden. Statt entsorgt zu werden, wird der Abfall zu einem Material, das gerade dabei ist, den Markt zu erobern. Ausgezeichnet wurde es  schon: in der Kategorie „Innovation and Technology“  bei den Green Carpet Fashion Awards in Mailand. Wer sich davon überzeugen möchte, dass Appleskin auch richtig gut aussieht, findet inzwischen schon einige Beispiele. So wie die zeitgeistigen Taschen von Nuuwaï.

„Mit Appleskin machen wir ein Upcycling von einem Abfallprodukt in ein neues Rohmaterial“

Eingefärbt wird das Material mit natürlichen Pigmenten. Appleskin wird nachhaltig und unter fairen Bedingungen produziert. Es findet seit 2015 Anwendung in der Buchbinderei als Einbandmaterial und inzwischen auch in der Mode-, Möbel- und Automotive-Industrie. Produziert wird in Italien, Hauptmärkte aber sind vor allem die Länder, für die Nachhaltigkeit schon jetzt ein wichtiges Thema ist, wie Nordeuropa und Nordamerika.

„Wir bieten eine nachhaltige und ethische Produktion“

Bei der Umwandlung von Müll in Rohstoff kommt bei Frumat alles zur Anwendung. Ob bei der Produktion des Produktes alles zur Anwendung kommt, ist abhängig vom jeweiligen Design .

„Wir schließen den Kreislauf des Apfels. Beim Produkt hängt es vom Design ab, ob alles recyclebar ist. Deshalb ist es wichtig, das sich auch Designer mit dieser Thematik beschäftigen.“

Die Corona-Zeit ist sowohl für Hannes selbst als auch für sein Unternehmen eine Herausforderung. Die Produktion wurde unterbrochen. Er widmet sich daher Dingen, für die bisher zu wenig Zeit war. Der ersten Website, dem Design und der Entwicklung neuer Materialien und Anwendungen. Doch all das muss gut geplant werden, denn sowohl er als auch seine Frau arbeiten Vollzeit und haben derzeit vier kleine Kinder durchgehend zuhause. Den Blick in die Zukunft sieht der Bozener für nachhaltige Themen sehr positiv.

Interview „Auf den Apfel gekommen“ von Susanne Barta mit Hannes Parth auf franzmagazine

Fair Fashion – ein Blick auf Bayern

Radio Reportage

Der Trend zu nachhaltiger Mode ist auch in Bayern angekommen. Als Gegenentwurf zur Fast Fashion entstehen neue, faire Modemarken. Doch auch bereits bekannte Labels versuchen ihren ökologischen Fußabdruck zu verringern. Respekt, Wertschätzung für die Wertschöpfung, Zertifizierungen wie Grüner Knopf und PETA Approved Vegan, Linear- vs. Kreislaufwirtschaft – Leonie Thim spricht mit bayerischen Machern über die unterschiedlichen Ansätze für Nachhaltigkeit in der Mode und deren aktuellen Umgang mit der Corona-Pandemie.

Jetzt hören: B2 – radioReportage von Leonie Thim: Von Fast – Fashion zu Fair Fashion – Wie Kleidung nachhaltiger wird

manomama | Sina Trinkwalder

„Wir müssen es noch besser machen, damit wir diese Klimakrise irgendwie in den Griff kriegen können“, sagt manomama-Gründerin Sina Trinkwalder, die seit über zehn Jahren nachhaltige Mode in Augsburg produziert, „weil wir auch hier den Menschen, die keinen Doktortitel vorweisen können eine Möglichkeit auf einen Job geben müssen“. Und das, so Trinkwalder, sei langfristig sowieso die günstigere Variante. Denn das Einschleifen auf Prozesse in der Modeproduktion dauere eine längere Zeit, weshalb sie versucht, möglichst viele ähnliche Stücke zu produzieren.

Ihr Ziel? Weniger neu produzieren, weniger wegwerfen, mehr wiederverwerten. Deshalb entstehen aus Markisenresten Rucksäcke und aussortierte Bordüren, zieren BHs. Sie möchte CO2-neutral produzieren und noch in diesem Jahr ganz auf die Verwendung neuer Ressourcen verzichten.

Wenn ich etwas neu produziere entsteht neues CO2.
Wenn ich die Reste anschließend verbrenne entsteht doppelt CO2.
Wenn ich Reste wiederverwehrte schone ich den CO2 Verbrauch.

Und bezogen auf Corona: Manomama produziert im Akkord Mund-Nasen-Masken.

Jesango | Catja Günther, Alina Friedrichs, Sophia Wittrock

Jesango ist Esperanto und bedeutet „Ja zur Veränderung“. Auf ihrem Blog wollen die drei Münchner Gründerinnen mit Mythen aufräumen und haben ein Start-up gegründet: Einen Online-Shop für zertifizierten Brands. Ihre Mission: Ein transparenter Produktionsprozess.

Und bezogen auf Corona: Das Anfang 2020 gegründete Start-up hat das temporäre Büro in der Hochschule München aufgegeben und Office sowie Lager kurzfristig in die privaten Räume von Sophia Wittrock verlegt. Nach einem ersten Einbruch der Klickzahlen haben sie sich inzwischen wieder erholt.

GREENSTYLE munich fair and conference | Mirjam Smend

1,7 Millionen Tonnen klimaschädliches CO2, verursacht durch lange Transportwege, Wasserbedarf und Pestizide beim Baumwollanbau und giftige Färbemittel sind pro Jahr auf die Textilindustrie zurückzuführen. Das wissen immer noch zu wenige Verbraucher. Deshalb hat Mirjam Smend 2018 die Messe und Konferenz für nachhaltige Mode ins Leben gerufen. Experten der Branche und faire Labels zeigen hier dem Konsumenten, wie nachhaltige Mode aussehen und funktionieren kann.

Unterstützung für nachhaltige Brands ist jetzt wichtiger denn je.
Die Krise muss doch für irgendetwas gut sein.
Und wenn es die Stärkung der Nachhaltigkeit ist.

Und bezogen auf Corona: Wir hoffen, dass wir mit der Veranstaltung durch die Krise kommen, um jetzt und später unser Engagement für nachhaltige Brands und das Thema fortsetzen zu können.

Ambiletics | Giulia Becker

Giulia Becker produziert Sportmode aus recyceltem PET, weil sie ihre Leidenschaft für bewussten Lebensstil und nachhaltige Activewear mit anderen Frauen teilen möchte. Bekehren möchte sie jedoch nicht, denn der Wunsch nachhaltig leben zu wollen, muss bei jedem Menschen selbst entstehen. Produziert werden ihre PETA approved vegan zertifizierten Tops, BHs und Leggings in Portugal in einem kleinen Betrieb, den sie persönlich besucht hat.

Und bezogen auf Corona: In der Corona-Zeit gab und gibt es eine starke Nachfrage nach Activewear. Entgegen der Pläne viel offline präsent zu sein, konzentriert sich Giulia Becker jetzt wieder auf den Online-Handel.

Kranz – Nikolaus Schötz

„Nachhaltig ist ein positiver Wert – warum sollte ich das also nicht machen?“. Ist die Meinung von Nikolaus Schötz, der seine Ledergürtel in Süddeutschland produzieren lässt.  Dazu musste ein Netzwerk aufgebaut werden, was gar nicht so einfach war, weil oftmals das Handwerk aufgegeben wurde.

Made in Germany bedeutet, dass mindestens 51 Prozent des Produktes in Deutschland gefertigt wurden.

Seit den 1990er Jahre wächst Fast Fashion ständig. Kleidung in Deutschland herzustellen war out. Das ändert sich gerade wieder. Der Kunde muss sich selber mit dem Gedanken auseinandersetzen und darüber nachdenken, ob das sein kann, dass ein Produkt so günstig ist. Dann ist man auch bereit höhere Preise zu zahlen. Wenn man das Produkt länger nutzt, kostet wird es dadurch auch wieder günstiger.

Und bezogen auf Corona: Für Kranz ist die spannendste Zeit die Herbst- und Wintersaison. Zusammen mit den Rücklagen und der Corona-Hilfe des Landes sollte Kranz es durch die Krise schaffen.

Alle gehen mit der Krise unterschiedlich um. Was alle vereint? Der Wunsch nach einem bewussten und klimaschonenden Modekonsum.

Mode aus Müll – Trash als Ressource des 21. Jahrhunderts

Die Auswirkungen der in den letzten zwei Jahrzehnten verdoppelten Textilproduktion auf Ressourcen und Deponien sind enorm. Deshalb setzt Anna Schuster, Co-Founderin des Londoner Labels JOA auf die Ressource Trash. Mode aus Müll. So geht es nicht weiter, sagt Anna Schuster, die neue, nachhaltige Wege im Design eingeschlagen hat. Zu sehen sind die Ergebnisse bei den Stücken, die sie unter eigenem Namen produziert und die sie ins Finale des Redress Award 2019 gebracht haben. Und beim Fashionlabel JOA, deren Mitbegründerin sie ist. Hier funktionieren Altkleider als Ausgangsmaterial für individuelle Einzelstücke.

 „The most sustainable practice is one that involves local making, reusing fabrics and clothes that are already made.”

Fakten gefällig?

Der Konsumdrang kennt keine Grenzen. In den Jahren 2000 bis 2016 hat sich die Menge der Textilproduktion weltweit verdoppelt. Im Jahr 2014 wurden erstmals 100 Milliarden Kleidungsstücke weltweit produziert. Die Bekleidungsindustrie erwartet eine Produktionssteigerung um weitere 62 Prozent bis 2030. Ob ihr das trotz Corona-bedingter Ausfälle gelingen wird? Daran zweifeln wir nicht. Der Normalbetrieb soll schnellstmöglich wieder aufgenommen werden.

Wie es zu der immer weiteren Textilproduktion kommen kann? Weil…

…Shopping heute ein Hobby ist.

…Mode immer billiger und billiger hergestellt wird.

…Mode zur Wegwerfware verkommen ist.

Jeder Deutsche kauft 60 neue Kleidungsstücke im Jahr. Das entspricht fünf neuen Kleidungsstücken pro Monat. Bis zu 40 Prozent unserer Kleidung tragen wir selten oder nie. Erst quellen die Kleiderschränke und dann die Deponien über. Schlechte Nachrichten: Kein europäisches Land produziert (laut Tagesspiegel) mit knapp fünf Kilogramm pro Einwohner mehr Textilmüll als Deutschland. Mehr als die Hälfte (57,1 Prozent) landet auf umweltschädlichen Deponien. Fast ein Viertel (24,3 Prozent) aller textilen Abfälle wird CO²-intensiv verbrannt. Lediglich 500 Gramm der 4,7 Kilogramm Kleidermüll pro Kopf werden laut einer Studie von Labfresh recycelt.

Ganz klar: Ein spannender Ansatz ist die Arbeit mit textilem Müll.

Das Londoner Label JOA hat die Nische des Postconsumer Waste für sich entdeckt, um Altkleider, die nicht mehr in Vintageshops verkauft oder umgeändert werden können vor dem chemischen oder mechanischen Recycling zu bewahren.

„Es wurde so viel Arbeit in die Herstellung des Stoffes gelegt, dass er eine zweite Chance verdient hat. Deshalb produzieren wie Mode aus Müll“

Anfangs wurden die Kleiderschränke von Eltern und Freunden „geplündert“. Inzwischen bekommt JOA jede Menge an Kleiderspenden dank eines Aufrufs im Fenster des Londoner Ateliers. Weitere wertvolle Ressourcen erhält das Trio über einen der größten britischen Vintage-Läden. Hier dürfen sich die Designerinnen aus dem gesamten Bestand der nicht verkauften Teile aussuchen, was sie für ihre Neuanfertigungen verwenden können.

„Margiela, Gaultier & Co. haben Upcycling auf den Laufsteg gebracht.“ JOA möchte, dass Upcycling kommerziell umsetzbarer wird.

Die Vorteile der Arbeit mit „Müll“? Jeder hat Zugang zu Altkleidern. Ein kreatives Umdenken durch das Nutzen bereits vorhandener Ressourcen. Die Teile, die bei dieser Art von Arbeit entstehen sind meistens Einzelstücke – Ausdruck der eigenen Persönlichkeit entspricht dem Zeitgeist…

Warum also warten? Mode aus Müll macht mächtig Sinn.

TEDxYouth @ München: UNSTOPPABLE

TEDxYouth

Knackige TEDxYouth Talks zu wichtigen Themen wie Klimaziele, Unternehmertum von Morgen, das neue Miteinander in der Gesellschaft sowie auch dem Leben nach COVID-19, spannende (kostenlose) Online-Workshops, interaktive Diskussionsrunden, Musik-Performances – zum zweiten Mal findet am 15. Mai 2020 die TEDx Youth, die sich explizit an die junge Generation und ihre Herausforderungen wendet in München statt. Zum ersten Mal digital only.

Auf der TEDxYouth @ München werden Ideen und Projekte von großartigen, jungen Persönlichkeiten präsentiert und diskutiert, die ein jüngeres Publikum ansprechen und Changemaker unter 25 Jahren dazu inspirieren, die Zukunft positiv zu gestalten.

Kostenlose Tickets gibt’s hier

Welcome on the virtual TEDx Youth Stage

Zusammen mit Speaker*innen wie Esra Karakaya, Tristan Horx, Felix Finkbeiner, Charles Bahr und zahlreichen mehr. Neben dem  Hauptprogramm wird es im Vorfeld der Veranstaltung auch Online-Workshops mit ausgewählten Partnern geben sowie nach dem Main Programm eine After-Show Party.

TEDxYouth

TEDxYouth @ München
Online Workshops: 14 und 17 Uhr

Kostenlose Online-Workshops von Partnern und TEDxMünchen-Freunden:

15 bis 15.50 Uhr
WERTE
In diesem Workshop gibt es die Möglichkeit, seinen eigenen inneren Kompass einzustellen.

15.00 bis 16.30 Uhr
DIGITALES ILLUSTRIEREN
Illustrator und Graphic Designer Adrian Sonnberger gewährt Einblicke in seine Welt der Illustration. Er kreiert gemeinsam mit den Teilnehmern ein digitales Poster.

14.30 bis 16 Uhr
APROPOLIS DISKUSSION:
Corona-Krise: Wie frei bin ich eigentlich noch?
Diskutiert wird zu den Themenkomplexen „Tracing-App: Wie viel Kontrolle und wofür ist für mich ok?“, „Darf der Staat mir verbieten, meine Freunde zu treffen?“ und „Wie wichtig ist mir mein Demonstrationsrecht?“

TEDxYouth @ München
Main Event: 17 bis 20 Uhr

Die Main Session beinhaltet vier Themen mit mehr als zehn Speaker*innen und  Expert*innen, Live-Musik Acts, und vielen neuen Perspektiven.

TEDxYouth

Speaker & Themen:

Klimaziele, Heute erreichbarer als Gestern.
Felix Finkbeiner, Gründer der Kinder- und Jugendinitiative Plant-for-the-Planet.

Unser Leben nach COVID-19.
Tristan Horx, Futurist, Sprecher und Autor am Zukunftsinstitut.

Gesellschaft 2.0: Anders ist die neue Norm.
Esra Karakaya, Videojournalistin und Gründerin Youtube-Talkshow KARAKAYA TALK

Wir, die Unternehmer*Innen von Morgen.
Charles Bahr, Berater und Gründer von Tubeconnect.

Alle Themen, kostenlose Tickets gibt’s hier

Nachhaltiger Mode-Journalismus

Bewusstsein statt Begehrlichkeiten

Mehr Konsum. Mehr Trends. Und immer mehr Saisons. Klassischer Mode-Journalismus ist häufig an ein „immer mehr“ gebunden. Ob verkaufsfördernde Formate wie „Zehn Musthaves der Saison“ oder „Outfits unter 50 oder 100 Euro“ noch zeitgemäß sind und ob nachhaltiger Mode-Journalismus sich positiv auf konventionelle Magazine auswirken kann? Über die Aufgabe von nachhaltigen Mode-Journalismus und einen möglichen Wertewandel haben wir mit Anja Woertge gesprochen.

Wieviel Journalismus steckt tatsächlich im Mode-Journalismus? Müssen wir auf die Selbstverantwortung der Leser setzen? Kann Modejournalismus im Zusammenhang mit Nachhaltigkeit überhaupt funktionieren? Diese Themen beleuchtet Anja Woertge, die an der AMD Akademie Mode & Design in Berlin studiert hat.

Sie kennt beide Seiten, denn sie war als Moderedakteurin für Stylight und Burda Style tätig, bevor sie Fashion Director für das nachhaltige Magazin FOGS wurde. Neben ihrer Freelance-Tätigkeit als Fashion Editor & Stylist für Magazine wie ELLE, Grazia & Co. schreibt sie auf ihrem Blog Mountanista über Bergthemen aller Couleur.

Wir sind ein Stück weit Dienstleister der Industrie. Aber auch Dienstleister der Menschheit.

Journalisten werden häufig als Dienstleister der Industrie bezeichnet. Zurecht. Denn ihr Informationsauftrag bleibt weitestgehend auf der Strecke. Verkaufsfördernder und bildgetriebener Produkt-Journalismus, wie er heute on- und offline weitläufig betrieben wird ist vor dem Hintergrund der Klimakrise nicht mehr zeitgemäß.

10 Musthaves der Saison sollten auch in konventionellen Magazinen zurückgehen.

Als nachhaltiger Mode-Journalist wird man vom Werbetreibenden zum Informierenden. Statt Begehrlichkeiten zu wecken steht beim nachhaltigen Journalismus das Bewusstsein im Vordergrund. Ziel ist ein Umdenken und zu zeigen, dass es statt „mehr“ auch „schöner, besser, haltbarer“ gibt. Zentrale Themen sind die Rückbesinnung auf Werte. Weniger (Massen)Konsum. Mehr Nachhaltigkeit.

Nachhaltiger Mode-Journalismus hat drei Aufgaben

Dem Leser zeigen, was Nachhaltigkeit bedeutet und warum sie Spaß macht.

Kleinen nachhaltigen Labels eine Plattform bieten, damit sie wachsen können.

Der Industrie zu zeigen, warum es sich lohnt in die Nachhaltigkeit zu investieren.

Auch in den konventionellen Modemagazinen wird Nachhaltigkeit immer wichtiger. Um die Zielgruppe zu erweitern. Die tiefergehenden Informationen vermitteln allerdings immer noch die Special Interest Magazine. Sinnvoll wäre eine Verschränkung, ein gegenseitiges Befruchten beider Medien. Im Idealfall führt diese Neuausrichtung der Thematik zu einem Wertewandel im Mode-Journalismus.

Humanitäre Krise durch das Verhalten von Fashion Brands

Brands canceln ihre Order. Zum Teil schon produzierte Ware wird nicht abgenommen. Fabriken müssen schließen, Arbeiter*innen werden entlassen. Die Auswirkungen von Corona auf die Textilindustrie sind enorm. Über die Situation in Indonesien und Bangladesch haben wir mit Marina Chahboune gesprochen, die mit ihrer Agentur „Closed Loop Fashion Consulting“ als Nachhaltigkeitsmanagerin im Textilproduktionsbereich große Unternehmen von Indonesien aus berät.

Der Schwerpunkt von Marinas Arbeit liegt auf Chemikalienmanagement, Sicherheit am Arbeitsplatz, textilem Abfallmanagement und Ablaufoptimierung um Ressourcen einzusparen. Auch Faser- und Materialentwicklung ist ein wichtiges Thema.

„Wir können von einer humanitären Krise sprechen.“

Wie die Situation bei vielen Produktionsbetrieben aussieht, das weiß Marina Chahboune. Sie arbeitet als Nachhaltigkeitsmanagerin, im Textilproduktionsbereich. Die Deutsche lebt in Indonesien und begleitet mit ihrem Team vor allem Betriebe vor Ort. Auch in Bangladesch arbeitet sie viel. Marina kann seit über einem Monat nicht mehr reisen und arbeitet im Home-Office in Bali, ist aber in engem Kontakt mit den Fabriken, mit denen sie zusammenarbeitet.

„Indonesien und Bangladesch sind unterschiedlich schwer betroffen.“

In Indonesien haben sich die Firmen ganz gut gefunden in der neuen Situation. Hier ist die Lieferkette relativ breit aufgestellt, weil vom Rohstoff bis zum fertigen Produkt alle Lieferschritte abgedeckt sind. Man hat Ressourcen im Land und deshalb keine Abhängigkeiten von Importen aus anderen Ländern. Viele Fabriken stellen um auf Schutzbekleidung und Masken.

„Arbeiter stürmen Fabriken in Bangladesch um arbeiten zu können.“

In dem Low-Income-Land Bangladesch hingegen ist die Situation sehr kritisch, weil der Schwerpunkt nur auf dem „Endschritt“, der Garment-Produktion liegt, und damit eine direkte Abhängigkeit von den Modeunternehmen entsteht, die jetzt ihre Orders gecancelt haben bzw. laufende Produktionen stoppen. Die Fabriken bleiben auf ihren Kosten sitzen. Viele Arbeiter sind in Panik. Genauso wie in Kambodscha und Vietnam. Ein Sozialsystem gibt es nicht.

„Es tragisch zu sehen, wie schnell Modeunternehmen auf „Stop“ gegangen sind, obwohl Leistungen vertraglich vereinbart waren.“

Das Konstrukt, das die Textilindustrie aufgebaut hat, ist ungesund und inakzeptabel, sagt Marina. Ein schrittweiser Wandel wäre in den letzten Jahren möglich gewesen, wurde aber nicht eingeleitet. Aber Marina betont, dass es durchaus die Möglichkeit gäbe nun neu zu starten, aber vermutlich nur zu einem sehr hohen Preis.

„Das Konstrukt, das wir über die letzten Jahrzehnte aufgebaut haben ist völlig ungesund.“

Wie können Modeunternehmen einfach ihre Produktionen stoppen, verbindliche Zusagen canceln, fragt sich die Nachhaltigkeitsexpertin.  Statements von Zertifizierern und länderübergreifenden Konventionen gibt es aktuell kaum.

„Das sind alles Rechtsverstöße und Verstöße an der Menschlichkeit.“

Wie es nach Corona aussieht kann noch niemand genau sagen, aber gut sieht es nicht aus. Auch wenn viele in und um die Branche herum jetzt darüber sprechen, dass durchaus die Chance besteht, dass auch die Textilindustrie die eine oder andere Weichenstellung vornehmen wird. Der Preis für einen Systemwandel, den sich die nachhaltige Szene schon so lange wünscht ließe sich momentan nur mit einem viel zu hohen Preis für die Betroffenen in den textilproduzierenden Ländern bezahlen.

Die Zukunft ist ungewiss: Interview mit Marina Chahboune auf franzmagazine

Das Ende der Schnelllebigkeit

Eigentlich hatten wir Salewa-Marketingchef Thomas Aichner zu einer Case Study mit vier Outdoor-Experten auf die 4th edition eingeladen. Aus aktuellem Anlass spricht Moderatorin Susanne Barta jetzt mit dem ehemaligen Profisnowboarder und Tourismusexperten über unternehmerische Verantwortung, Learnings aus der Corona-Krise, den Blick in die Zukunft und das Ende der Schnelllebigkeit.

„Wir werden uns aus der Schnelllebigkeit der Outdoor-Fashion schrittweise verabschieden.“

Bergsportausrüster Salewa hat sehr schnell nach Ausbruch der Corona-Krise Produktionsbetriebe auf die Herstellung von Schutzausrüstung und Atemmasken umgestellt und damit das Sanitätssystem in Südtirol ausgestattet. Inzwischen werden Krankenhäuser in Italien und ganz Europa versorgt.

„Diese Produktion ist für uns kein Geschäftsfeld, sondern eine Möglichkeit unsere Expertise einzusetzen und der Gesellschaft etwas zurückzugeben.“

Salewa-Marketingchef Thomas Aichner hat derzeit alle Hände voll zu tun die Kommunikation der Brand auf die neuen Umstände auszurichten und dabei schon die Weichen für die Zeit danach zu stellen. Im Video-Interview erzählt er uns, welche Schritte Salewa plant und wie nachhaltige Produktion noch mehr zum Thema wird.

Als einziges italienisches Textilunternehmen ist Salewa Lead-Partner der Fair Wear Foundation. Alle Produktionsstätten werden dauerhaft zertifiziert und monitorisert. Denn Salewa möchte nicht nur seine Kunden zufrieden stellen, sondern auch die Mitarbeiter der Lieferanten.

„Statt auf immer mehr setzen wir bei Salewa auf immer besser.“

Neben dem Menschen steht bei der gesamten Oberalp Gruppe das Thema Natur im Mittelpunkt. Hier setzen die Bozener auf Langlebigkeit der Produkte, die Möglichkeit, diese zu reparieren und soweit wie möglich mit recycelten und recycelbaren Materialien zu arbeiten.

„Unser wichtigstes Learning aus der Krise? Langfristiger zu denken.“

Entsprechend spannend und weitsichtig sind die aktuellen Entscheidungen, die Sommerkollektion 2021 zu drei Viertel auszusetzen und stattdessen eine lang geplante Kapselkollektion zu lancieren.

Mehr erfahren über Salewa

Dezentrales Team: Online Coaching

Dezentrales Team

Wildling macht Minimalschuhe. Und zwar mit größtem Erfolg. Unternehmerisch und für die Füße, die sich in diesen Schuhen nicht nur wohlfühlen, sondern, die sich dank der speziellen Beschaffenheit entfalten und erholen können. Ganze 137 Mitarbeiter hat das Unternehmen aus Engelskirchen. Große Büroräume sind dafür nicht nötig, denn Wildling setzt auf ein dezentrales Team. Wie das funktioniert erklärt Wildling-Gründerin Anna Yona in ihrem Online Coaching.

Wildling Gründerin Anna Yona hat ihr Unternehmen schon mit der Gründung auf dezentrale Arbeitsweise ausgerichtet. Inzwischen kann sie auf einen entsprechend großen Erfahrungsschatz zurückgreifen. In ihrem Online Coaching spricht sie darüber, wie dezentrales Arbeiten bei Wildling funktioniert und wie eine kurzfristige Umstellung auf die Arbeit zu Hause möglich gemacht werden kann.

„Wir arbeiten dann jetzt mal von zu Hause aus!” Dass sich das leichter anhört, als es umgesetzt ist, davon können viele, die ihre Teams auf die Arbeit im Home Office umstellen, ein Lied singen.

Wie hält man ein dezentrales Team zusammen? Welche Tools sind hilfreich? Wie organisiert man den Arbeitsalltag zu Hause? Und wie schafft man ein starkes Fundament, um das digitale Setup auch langfristig erfolgreich zu etablieren?

Unser Tipp? Unbedingt ansehen, denn dezentrales Arbeiten wird nicht nur in Zeiten wie diesen immer wichtiger.